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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 9

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Meine Traumreise
Auf dem Boden
Die Insel
Der Taktstock
Die schöne Prinzessin

 

Meine Traumreise
Ich stehe auf dem Dach unseres Hochhauses und es ist Nacht.
Ein großes Flugzeug setzt zur Landung in Tegel an. Verwunderlich, denn es ist doch Nachtflugverbot! Aber plötzlich weicht es vom Kurs ab und fliegt auf mich zu. Es landet neben mir und die Tür öffnet sich. Mit einer tiefen Verneigung und einer entsprechenden Handbewegung lädt mich ein alter, gütig aussehender Mann ein.

Wie selbstverständlich steige ich ein und bin von dem Anblick wie benommen.
Es sind nur alte Menschen und Kinder, welche, an einem langen Tisch sitzend, mit dem Schreiben von Noten und Texten beschäftigt sind. Zwischendurch schauen sie einander freundlich an, und es ist als würden sie vor sich hin summen.

Der Start des Flugzeuges erschreckt mich, aber nur für einen Augenblick, dann ist alles ganz normal. Allerdings, es gibt keine harten Wolken und keine Luftlöcher. - - -

Ich erwache in einem Iglu und werde liebenswürdig zum Frühstück gebeten. Es gibt Rentierfleisch mit Marmelade und Eiswein. Igitt, - aber es schmeckt! Pelzverbrämt gehe ich hinaus und steige auf ein dort wartendes Kamel, welches sich auch gleich in Bewegung setzt. Wüste, nichts als Wüste, und der trockene Sand weht an mir vorbei, sodass er mich nicht behindert.

Ich glaube an eine Fata Morgana, als ich in der Ferne glitzerndes Wasser sehe.
In einem großen See schwimmen Krokodile. Ohne Furcht geselle ich mich dazu und tummle mich mit ihnen voller Vergnügen. Beim Blick an das Ufer, sehe ich viele Menschen die mir zuwinken. Weiße, Gelbe, Rote, Braune und Tiefschwarze stehen an einem Buffet und preisen ihre Gerichte an. Sie sprechen verschiedene Sprachen, aber ich kann sie alle verstehen. Ich wähle einen Salat exotischer Früchte, rohen Fisch mit Knäckebrot, Bosnischen Eintopf mit Sahnehaube und eine Scheibe Vollkornbrot mit Rübeneis.

Während ich noch genieße kommt ein schmales Boot angeschossen, nimmt mich an Bord und fährt mich an die gegenüberliegende Seite des Ufers.

Augen und Ohren gehen mir über!
Louis Armstrong, Mahelia Jackson, Enrico Caruso, Jenny Lind und viele andere berühmte Sangeskünstler empfangen mich mit ihren Gesängen. Musikinstrumente verschiedenster Art, im unterschiedlichsten Rhythmus, spielen dazu auf.
Aber, wie selbstverständlich ergibt alles eine wohlklingende, herrliche Melodie!
Meine Sehnsucht nach Frieden und Harmonie, - - leider nur ein Traum ! !

 

Auf dem Boden   
Als ich auf den Boden kam hielt ich inne und auch mein Herz klopfte etwas lauter. Ich hörte Stimmen. Aber die Bodentür war doch abgeschlossen! Ängstlich und ganz leise ging ich zu unserem Bodenverschlag, von dem die Stimmen kamen. Das Schloss hing unbeschädigt davor.
Nie wäre mir eingefallen, in der Nacht, zur Geisterstunde hinauf zu fahren - und nun das am hellen Tag. Vorsichtig öffnete ich das Schloss, natürlich erst, nachdem ein Blick durch die Lattenroste mir Gewißheit gab, dass dort kein Mensch war. Je näher ich der Fensterluke kam, je deutlicher wurden die Stimmen. Sie kamen von den Koffern, die dort abgestellt waren und, eingefallen, unter einem Tuch ihr Dasein fristeten.

Ich lauschte!

Es war der große hohe Koffer mit den Rollen, der prahlerisch erzählte: "Ich bin in Thailand gekauft worden, weil der aus Berlin mitgeführte einfach geplatzt war. Sie hatten mich zu voll gestopft, weil sie ihren Kaufrausch nicht stoppen konnten. " "Na und" unterbrach ihn ein kleinerer Koffer "seitdem stehst Du auch nur hier oben und hast nichts gesehen, als auf der Rückreise Taxis und Flughäfen. Ich war in Amerika, Norwegen, Schweden, Grie - - -"

"Du?" fiel ihm die Reisetasche ins Wort: "Du hast ja meistens auch nur auf der Kofferbank gestanden, gesehen hast du nichts! Ich war bei allen Kurzreisen und Ausflügen dabei, ich habe viel gesehen und gehört. In mir verwahrte man alles auf was wichtig war. Ich überstand sogar einen Sturz in einer Schiffskabine, aber nicht etwa weil ich seekrank war, wie die meisten Menschen. Ich rutschte einfach- - - "
H-tschi!! Durch mein Niesen war alles sofort verstummt. Schade, ich hätte gerne mehr von ihren Erinnerungen gehört. Ich nahm die Reisetasche und drückte sie leicht an mich. Sie hatte uns tatsächlich auf allen Reisen, und es waren nicht wenige, begleitet. Nein, von ihr werde ich mich nicht trennen.

Ich sah den kleinen roten Koffer, weich und leicht. Mir fiel Moskau ein, die Nacht mit den beiden Dresdener Ehepaaren bei uns im Zimmer. Die Etagendame (oder wie immer die sich nannte), klopfte energisch an die Tür und forderte Ruhe. Der Koffer stand aufgeklappt da. Hatten wir ihn doch um so manches erleichtert was den Dresdenern passte oder gefiel. Ja, so war das damals. Schade, ich hätte gerne gehört was er zu erzählen gehabt hätte.
Ehe ich den Boden verließ, berührte meine Hand fast liebevoll die Relikte schöner, glücklicher Zeiten.

 

Die Insel   
Das kleine Boot setzt uns über auf eine kleine Insel, die für eine Woche unser Zuhause ist.
Nur 4, nein es sind 5 Häuser sind darauf. Reetgedeckt, klein und gedrungen stehen sie da und warten auf die Städter, die Ferien vom Ich machen wollen. Nachdem wir unsere Bleibe angesehen haben, machen wir eine Runde um die Insel zu besichtigen. In einer knappen Stunde haben wir das geschafft. Es wird erholsam sein, denn wir sind keinem Menschen begegnet. Nur ein Hund bellte und das Muh einer Kuh, sowie das Blöken von ein paar Schafen war zu hören.
Wir setzen uns, nachdem es dunkel geworden ist, in unser Zimmer und spielen Karten. Es ist 23 Uhr und wir wollen zu Bett gehen. Vorher aber öffnen wir die Tür um noch einmal tief die saubere Luft einzuatmen.

Ich schreie. Mein Mann ist mit schnellen Schritten bei mir und sieht auch fassungslos, dass die Insel in ziemlich schnellem Tempo auf das offene Meer zuschwimmt. Zitternd klammere ich mich an ihm fest. Ich will hier weg, aber nicht aufs offene Meer. Ich kann nicht schwimmen.
Die Insel gewinnt an Fahrt. Die kleinen Häuser sind dunkel, sehen drohend aus und ich höre keinen Laut. Mir ist schlecht und ich schmiege mich enger an meinen Mann. Wo kommen wir an? Kommen wir überhaupt wo an?

Das stand aber nicht im Reiseprospekt. Wir hätten nie eine Abenteuerreise gebucht.
Ich mache die Augen zu, kneife sie fest zusammen. Mir bricht der Schweiß aus. Ich höre eine Schiffssirene und öffne die Augen.
Ich liege im Bett und mein Mann atmet pfeifend aus.

 

Der Taktstock   
Der Bär trabt schwergewichtig durch den lichten Wald. Er ist auf der Suche nach dem Baumhaus, von dem der große Adler erzählt hat. Es gibt kein Tier das sich auch nur in die Nähe wagt.

Dort soll ein alter Mann leben, nur mit einem Lendenschurz bedeckt und als einzigen Besitz einen Taktstock haben. Der große Adler hatte auch erzählt, dass dieser Alte mal ein berühmter Dirigent war und sein Taktstock Zauberkräfte besitzt. Der Grund, weshalb die Tiere diese Gegend meiden.

Der Bär glaubt nicht an diese magischen Kräfte. Das Einzige was er fürchtet und woran er glaubt, ist das Gewehr eines Menschen. Weil es töten kann. Ansonsten hält er sich für unbesiegbar.
Er trottet unbeirrt weiter.
Dieser alte Mann auf dem Baumhaus, ohne Gewehr, wird aus Angst vor ihm den Taktstock zitternd fallen lassen. Wenn er ihn entdeckt wird er sich aufrichten, dann ist seine Erscheinung noch imposanter. Dann wird der Alte überhaupt nicht mehr an seinen Taktstock denken und die Flucht ergreifen.

Jetzt haben seine kleinen, listigen Augen das Baumhaus entdeckt und lautlos schleicht er sich heran. Ab und zu bleibt er stehen, wittert nach allen Seiten, ohne das Baumhaus aus den Augen zu lassen. Es bewegt sich nichts, der Alte scheint zu schlafen oder er ist auf Nahrungssuche. Er wird an dem kräftigen Stamm empor klettern und den Taktstock, den er hoffentlich findet, zerbrechen.
Dann werden die Tiere ihn feiern, weil er sie von der Angst befreit hat und ihnen der Wald wieder uneingeschränkt gehört.

Behäbig umklammert er den kräftigen Stamm. Plötzlich spürt er, dass ihn etwas berührt und er will es mit dem Zucken seiner Muskeln abschütteln. Vergeblich. Er schrumpft und schrumpft, kann nichts dagegen tun. Der Taktstock, den er nun sieht, wird immer größer, der Baum riesig.

Er findet sich am behaarten Bein des Alten wieder. - - - Eine Ameise.

 

Die schöne Prinzessin   
Der Hof war in heller Aufregung. Wo war die Prinzessin?
Plötzlich, nach dem Frühstück war sie verschwunden. Der Hofmarschall will sie gesehen haben, als sie, in einen weiten Mantel gehüllt, mit Kapuze auf dem Kopf, zum Ausgang lief. Die Zofe aber sagte, solch ein Kleidungsstück besäße die Prinzessin nicht. Übrigens habe sie sie ruhend auf der Ottomane in ihrem Gemach gesehen.

Nur die Prinzessin kannte die Wahrheit. Seit vielen Tagen, fast Wochen, hatte sie einen Plan geschmiedet. Sie wollte ausbrechen aus dem goldenen Käfig, wollte frei sein, tun und lassen dürfen was sie wollte.
Ein kleiner Vogel hatte ihr gezwitschert wie lebendig und aufregend das Leben außerhalb des Schlosses ist. "Ja aber was muss ich tun, ich komme doch unbemerkt hier nicht heraus!" "Folge mir nur, ich werde dafür sorgen, dass dich niemand bemerkt." Sie vertraute dem kleinen Vogel, der seit einiger Zeit immer in ihrer Nähe war. Es war nach dem Frühstück, als er sie aufforderte in die bereitliegenden Kleider zu schlüpfen, die langen, goldenen Haare zu 2 Zöpfen zu flechten und ihm zu folgen. Sie staunte, denn noch nie hatte sie sich selbst frisiert, aber es war ganz einfach.

Draußen ging es durch kleine enge Gassen, die nicht ganz sauber waren. Aber die Menschen, die ihr begegneten, waren freundlich und fröhlich. Sie lächelte sie an und fühlte sich frei und leicht. Sie hörte Klänge die ihr unbekannt waren und lief ihnen entgegen. Immer flog ihr das kleine Vögelchen voraus. Sie kam zu einem Mann, der an der Kurbel eines großen Kastens drehte und damit die schönen warmen Töne entlockte.
Schüchtern wiegte sie ihren Körper, doch dann begann sie zu tanzen. Sie tanzte so anmutig, dass alle stehen blieben. Die Zöpfe lösten sich und das goldene Haar umschmeichelte sie. Erst wagte sich nur einer der Umstehenden in die Mitte und begann mit ihr zu tanzen. Dann wurden es mehr. Die Kutscher ließen ihre Wagen mit den Pferden stehen und es war nicht nur ein toller Spaß, es war ein Augenschmaus. Sie blühte auf und wurde noch schöner, als sie ohnehin schon war.

Im Schloss war man nicht untätig. Häscher wurden ausgeschickt die Prinzessin zu suchen. Sie wurde auch gefunden. Ein Häscher nach dem anderen fand sie, aber niemand konnte die Tanzende unterbrechen. Sie standen da und gafften. Reihenweise fielen sie in Ohnmacht, geblendet von der Schönheit der Prinzessin.
Nur einem gelang es in das Schloss zurückzukehren.
Die Prinzessin tanzte und tanzte und das Vögelchen flatterte über ihr und sang ganz wunderschön dazu.

Eine goldene Kutsche fuhr vor. Der kleine Vogel zupfte die Prinzessin am Ärmel und sie legte behutsam ihre heiße Wange an sein kleines Köpfchen. Da geschah es. Ein paar bunte Federn fielen zu Boden und ein stattlicher Prinz stand vor ihr. Sie stiegen in die Kutsche und fuhren zum Schloss der schönen Prinzessin.

Dort erwachten sie nach und nach aus der Ohnmacht in die sie gefallen waren, bei der Nachricht, dass sie mit Kutschern zu Drehorgelmusik tanzte.
Bald danach wurde prunkvoll Hochzeit gefeiert. Der Drehorgelmann durfte zum Tanz aufspielen, denn er hatte Anteil an dem Glück der Prinzessin.

 

 
   

 

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