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Begegnung im Wald
Der gläserne Fahrstuhl
Der kleine bunte Vogel
Absurde Geschichte
Die goldfarbene Truhe

 

Begegnung im Wald
Ach, das war ein schöner Nachmittag an diesem düsteren Novembertag. Die Musik der Oper Hänsel und Gretel klingt noch nach und ich bin wieder Kind im Reich der Märchen.
Es ist schon dunkel und ich schaue mich ratlos um. Wo muss ich jetzt lang gehen. War nicht da drüben die Haltestelle? Ja, da kam ich an. Jetzt muss ich auf dieser Seite abfahren. Da vorne sehe ich, außer Bäumen und ab und zu einer Laterne, nichts. Da muss ich aber hin. Wo sind denn die Anderen die mit mir nach draußen gingen? Wo sollen sie sein, in ihren Autos auf dem Weg nachhause. Oder mit dem Taxi.
Ein Auto stoppt und ein älterer Herr fragt, ob er mich mitnehmen kann. Ich zögere kurz und sage dann fast abweisend : "Nein danke". Vielleicht ist das ein Lustmolch!
Ich gehe weiter. Angst kriecht hoch und macht mich ganz irre. Ich habe mich verlaufen, sehe nur noch Bäume und Büsche. Der helle Mond lässt mich eine Lichtung erkennen. Da wird es einen Weg zur Straße geben. Ich versuche mich lautlos zu bewegen, damit niemand mich bemerkt. Falls jemand in der Nähe ist.
Da. - Am Rande der Lichtung bewegt sich etwas. Eine Gestalt mit grünen Haaren tritt hervor und kommt direkt auf mich zu. O Gott, eine Hexe. Sie wird mich verhexen . Bestimmt nicht in einen Lebkuchen. Dazu müsste ich knusprig jung sein. In einen Hund, oder ein anderes grausiges Wesen wird sie mich verhexen. Ich halte die Luft an und würde gerne unsichtbar. Ich möchte die Augen schließen, aber die Angst zwingt mich zu sehen was geschieht. Die Hexe hat keine Katze oder Krähe auf der Schulter. Aber sie hat etwas in der Hand was ich nicht erkennen kann. Doch es wird der Gegenstand sein mit dem sie mich verhext. Jetzt sehe ich, es ist ein Zauberstab. Ein ungewöhnlich dicker.
Das Mondlicht wirft lange Schatten. Es lässt die Hexe und mich bizarr erscheinen. Ebenso die Bäume.
Weglaufen, ganz schnell weglaufen!
Da trifft mich die Stimme der Grünhaarigen:
"Hallo, haben Sie sich auch verlaufen und Angst?"

 

Der gläserne Fahrstuhl   
Ich gehe durch die Straßen in der fremden Stadt. Hier in der Altstadt sind viele Buchläden und ich stöbere die Tische mit den verbilligten Ausgaben durch. Ich suche nach einem Buch das ich auch in der fremden Sprache lesen kann. Es ist nicht anspruchsvoll, aber das stört mich nicht.
An meinen müden Füßen merke ich, dass ich schon weit gelaufen bin. Die Häuser sind höher und die Fenster größer. Vor einem imposanten Neubau bleibe ich stehen. Ein gläserner Fahrstuhl bewegt sich an der Außenfassade nach unten. Es sind nur 2 Personen darin, obwohl bestimmt 6 oder 8 Platz haben würden. Ich bleibe stehen und überlege, ob ich da einsteigen würde. Wie ein großer Käfer da an der Wand kleben. - -
Da, jetzt fährt er nach oben. 4 Personen kann ich ausmachen und ich schaue ihnen nach. Gleich ist er oben. Ich habe den Eindruck, dass der Fahrstuhl immer schneller wird. Er stoppt nicht! Er lässt das Haus unter sich und schwebt, oder schießt, fast steil immer weiter aufwärts.
Wie angewurzelt stehe ich da und kann keinen klaren Gedanken fassen.
Was geschieht da? Jemand muss die Feuerwehr alarmieren. Aber niemand scheint das wahrzunehmen! Alles geht weiter wie vorher. Ich muss etwas tun. Ich blähe mich auf und halte die Luft an. Ich merke, dass ich leichter werde und vom Boden abhebe. Schneller, ich muss schneller werden, sonst kann ich nicht mehr helfen. Kann ich überhaupt helfen? Ich bin der fliegenden Kabine näher gekommen und sehe die Menschen darin. Sie scheinen keinesfalls beunruhigt, sondern sie unterhalten sich.
Was mache ich denn, vielleicht ist das normal. Die haben möglicherweise einen Flug gebucht. Aber das geht doch nicht mit einem Fahrstuhl! Bin ich verrückt? Ich kneife mich, aber breite schnell die Arme wieder aus, denn ich komme ins Trudeln. Ich verliere das Buch und schaue ihm nach.
Jetzt bin ich neben der Kabine und die Passagiere schauen verwundert zu mir. Sie scheinen Sorge um mich zu haben. Ein kräftiger junger Mann öffnet vorsichtig die Tür und will mich hineinziehen. Ich wehre mich, aber die anderen helfen ihm und ehe ich mich versehe bin ich in der Kabine. "Wie können Sie nur so leichtsinnig sein und ohne Kabine abheben!" sagt eine ältere Dame vorwurfsvoll. Ich weiß nicht was ich sagen soll. "Ich, ich wollte - ich wollte retten" kann ich nur stammeln. "Retten? Wen oder was denn?"
Plötzlich muss ich laut lachen, Die Situation ist so kurios. Der kräftige junge Mann legt die Hand auf meine Augen und ich bin ganz ruhig.
Kleine weiße und silbergraue Wölkchen ziehen an dem gläsernen Fahrstuhl vorbei. Ich fühle mich gut und erwarte gelassen was geschieht.

 

Der kleine bunte Vogel   
Anna und Max freuen sich. Die Eltern gehen heute aus und da kommt Großmama Susanne.
Eigentlich muss niemand auf sie aufpassen, sie sind ja schon groß. Anna kommt nächstes Jahr in die Schule und Max in 2 Jahren. Aber Großmama Susanne kennt so viele Märchen und kann sie toll erzählen. Sie sind jetzt schon ganz aufgeregt.
Die Eltern verabschieden sich mit einem Gute Nacht Kuss und der Ermahnung auch brav zu sein. Ungeduldig warten sie, dass Großmama den Abwasch fertig hat und endlich mit Erzählen anfängt. Aber nun muss sie sich erst noch ein kleines Kännchen Bohnenkaffee machen, damit sie nicht beim Erzählen einschläft. So sagt Großmama das.
Endlich geht es los.

Es war einmal ein Scheich, der war so reich, dass er nicht wusste wie viel er besitzt. Er hätte Jedem seines Scheichtums eine Goldmünze schenken können, ohne dass sein Geld merklich weniger geworden wäre. Aber warum sollte er?
Andere Menschen interessierten ihn nicht. Er befahl und die Anderen mussten gehorchen. Seit einiger Zeit sah er müde aus. Er hatte keinen Freund, niemanden dem er etwas anvertrauen könnte. Er sorgte sich nicht um andere Menschen, aber er hatte Sorge um sich. Wie sollte er ohne Hilfe herausbekommen was seit ein paar Nächten geschah. Ein kleines buntes Vögelchen setzt sich auf seine Schulter und spricht zu ihm: "Geh in die untere Gasse und sieh wie die Ärmsten der Armen dort leben."
Er wollte wissen ob er das träumt oder ob es wirklich geschieht. Er wehrte sich gegen das Einschlafen, aber dann musste es wohl doch geschehen sein. Er hielt alle Fenster geschlossen und durchsuchte alle Räume nach dem kleinen gefiederten Gesellen. Er war nicht zu sehen und ließ sich nicht hören. Doch in der nächsten Nacht saß er wieder auf seiner Schulter und mahnte: "Geh in die untere Gasse und sieh wie die Ärmsten der Armen dort leben." Er war ganz krank und das Leben freute ihn nicht mehr. Selbst seine so geliebte Haschischpfeife, die ihn immer in einen angenehmen Rauschzustand versetzte, konnte ihm nicht helfen.
So beschloss er in die untere Gasse zu gehen. Er wartete bis es dämmerte, hüllte sich in dunkle Gewänder und machte sich auf den Weg. Nach ein paar Schritten hielt er inne, denn er wusste nicht wie er dorthin finden sollte. Da sah er das kleine bunte Vögelchen das ihm voraus flog. Er sah in die Fenster die kaum erhellt waren, denn nur eine dünne Kerze stand auf dem Tisch. Er konnte kaum etwas erkennen. ----
Großmama trank einen Schluck ihres Kaffees und die Kinder rutschten unruhig auf ihren Kissen hin und her. "Weiter" drängelten sie und Großmama setzte das Märchen fort.
Ja, nun sah der Scheich ein offenes Fenster und sah vorsichtig hinein. Ein Mann saß am Tisch und hielt den Kopf in die Hände gestützt. Vor ihm stand ein Glas Wasser. Jetzt nahm er aus einem Gefäß mit einem Löffel etwas Sirup in das Wasserglas und rührte lange um. So, als wollte er das Trinken hinauszögern. Das Vögelchen flog zu dem Mann und setzte sich auf dessen Schulter. Es tirilierte so herrlich, dass dem Mann die Tränen aus den Augen liefen. Das kleine bunte Vögelchen ließ zu, dass der Mann seinen Kopf ganz sacht an seinen kleinen Körper schmiegte. Dann nippte es an dem Glas und flog aus dem offenen Fenster zum Scheich. Der war verwundert und folgte dem voran fliegenden kleinen Gesellen zurück.

Als der Scheich seinen Salon betrat sah er den Mann den er eben noch in der unteren Gasse gesehen hatte. Er biss gerade herzhaft in ein Kebab, so als hätte er seit Langem nichts gegessen. Der kleine bunte Vogel schob mit seinem Schnabel einen Spielwürfel über den Tisch bis zu dem Mann hin. Er forderte ihn auf, eine Zechine daneben zu legen. Der Mann aber besaß nicht einmal diese und schüttelte traurig den Kopf. Den letzten Bissen hatte er hinunter geschluckt und wischte mit dem Ärmel über seinen Mund.
Der Vogel verwandelte sich in eine wunderschöne Frau, die den Scheich umgarnte. Fast willenlos tat er was sie wollte. So leerte er seine Taschen und legte den Inhalt auf den Tisch. Dabei war auch ein großer goldener Schlüssel von dem er nicht wusste woher der kommt und wozu er passt.
Die Schönheit forderte die Beiden auf zu würfeln und erklärte die Regel.
Wer die erste 6 würfelt hat gewonnen. Ist es der Mann aus der unteren Gasse gewinnt er den goldenen Schlüssel. Ist es der Scheich gewinnt er die Zechine. Der Scheich wollte widersprechen, aber es löste sich kein Wort, seine Zunge war wie gelähmt. Er durfte seines Standes wegen zuerst würfeln doch es wurde nur eine 2. Der Mann aus der unteren Gasse würfelte eine 4. Es dauerte eine ganze Weile bis einer eine 6 würfelte. Es war der - - Mann. Als er nach dem Schlüssel griff, hatte die Schönheit ihn schon in der Hand. Sie verwandelte sich wieder in den kleinen bunten Vogel und flog mit dem Schlüssel davon. Wie von Sinnen lief der Scheich aus seinem Palast und schaute dem Vogel nach. Als er wieder hinein wollte schlossen sich alle Türen und er stand ohne Habe da.
Zu dem Mann aber flog der kleine bunte Vogel hinein und reichte ihm eine Mandoline auf der er wunderbar zu Spielen begann. Das Vöglein tirilierte, dass es eine Freude war. Ein Bediensteter kam herbei und führte den Mann zum Hammam, dem orientalischen Bad, reichte ihm die Haschischpfeife und verwöhnte ihn. Als er heraus kam, erwartete ihn die wunderschöne Frau mit der er glücklich und zufrieden bis an das Ende ihrer Tage lebte.

 

Absurde Geschichte   
Es ist ein typischer Herbsttag. Dicker Nebel. Ich kuschele mich in meine Bettdecke und genieße die Wärme. Die Augen öffnen sich ohne Anstrengung. Leichtfüßig hüpfe ich aus dem Bett und gehe ans Fenster. Immer noch dicker Nebel in den ich starre.
Was zappelt denn da vorbei? Ich öffne das Fenster und ein Fisch schwimmt herein.
Er fragt: "Wo ist hier links von rechts?" "Links von rechts? Hm - - " Ich überlege angestrengt und wiederhole: "Links von rechts? - Schwimme hier rechts an meinem Bett vorbei, dann ist links von rechts die Tür zum Flur. Aber was willst du auf meinem Flur?" "Ich will nicht auf deinen Flur, ich will wissen, wo links von rechts ist!" "Na, sag ich doch eben!"
Dieser Fisch ist recht seltsam. Er hat goldene Schuppen, wie ein geräucherter Bückling, oder eine Makrele.
Plötzlich fällt mir die Geschichte vom Froschkönig ein. Mir wird heiß. Vielleicht ist er ein verwunschener Prinz? "Küß mich" sage ich darum schnell und schließe die Augen. Er schwimmt auf mich zu, und sein kaltes Mäulchen berührt meine Lippen. Zaghaft öffne ich die Augen.
Der Fisch war noch immer ein Fisch.
Aber als ich in seine vorstehenden Fischaugen sehe, wird mir ganz kalt. Ich merke, dass etwas geschieht. Keine Gänsehaut die ich bekomme. Nein, Schuppen, helle, goldene Schuppen. Meine Beine versagen mir den Dienst. Wo sie eben noch waren, ist jetzt eine Schwanzflosse. Ich bin fassungslos.
Der Fisch sieht mich verliebt an. "Dich habe ich gesucht" sagt er. „Ich bin rechts in dein Zimmer geschwommen und habe links dein Herz berührt. Das war der Weg den ich suchte. "Streichle mich" sagte er fast flehend, und ich koste seine Flossen. Meine Arme waren mir geblieben, und ich konnte ihn halten.
Arm in Flosse schwammen wir aus dem offenen Fenster. - - Wohin? - -

 

Die goldfarbene Truhe   
Die kleine goldfarbene Truhe steht neben dem Sofa auf einem Beistelltisch. Eine Wandleuchte verhindert, dass der Raum total dunkel ist. Die Fenster sehen aus wie große schwarze Augen. Die alte Lady ist längst zur Ruhe gegangen und die Tür zum Salon ist nur angelehnt. Die Zeiger der großen Standuhr rücken auf Mitternacht. Als die 12 Schläge ertönen, werden sie von den dicken Teppichen und den schweren Polstermöbeln fast verschluckt.
Kaum hörbar ist ein leises Klirren oder Scheppern. Der Deckel der kleinen Truhe öffnet sich und ein leichter Nebelschwaden entweicht. Er wird zu einer wunderschönen Frau. Es ist die verstorbene Herrin des Gutes, die ruhelos, Nacht für Nacht zu mitternächtlicher Stunde durch die Räume geistert. Lächelnd berührt ihre feine, zarte Hand ein Kissen, ein Bild, die Lehne eines Sessels. Alles ist so vertraut und doch so fremd.
Ein anderer Geruch liegt in der Luft. Zu ihrer Zeit war es Lavendel, der Duft den sie sehr mochte und der sie umgab.
Sie war noch keine 20 als sie Witwe wurde, Witwe eines alten Mannes mit dem man sie verheiratet hatte.
Dann aber trat er in ihr Leben. Gut aussehend, sportlich. Er stand im Dienst der Familie ihres Mannes, eine ausweglose Liebe. Nur 4 Jahre waren ihnen beschieden. Es waren herrliche Jahre.

Sie setzt sich auf den großen Ohrensessel, kuschelt sich hinein und schließt die Augen. Sie spürt die Nähe seines Körpers und den Duft seiner Haut. Doch dann ist da dieser Schuss der sie aufschreckt. Sie sieht Blut, sein Blut und eine Gestalt die hinter der schweren Portiere verschwindet.
Sie reißt die Augen auf und schüttelt das damals Erlebte energisch ab.

Gleich ist die Zeit um und sie muss zurück in ihr freiwillig gewähltes Versteck. Dort ist sie ihrem Liebsten nah. Der Duft nach Lebkuchen ist aus der kleinen Truhe noch immer nicht ganz verschwunden und Weihnachten, das Fest der Liebe, ist wieder ganz nah. Wenn sie nur noch ein einziges Mal dieses herrliche Weihnachtsgebäck mit ihm teilen könnte, dann würde sie vielleicht Ruhe finden.

Der Schlag der alten Standuhr beendet den Spuk.

 

 
   

 

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