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Kurzgeschichten 6

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Nur eine Redensart
Verlassen
Herr Geldsack
Ich wachse
Der Blick nach vorn
Streit der Jahreszeiten
Wenn mein Leben eine Landschaft wäre
Ich lebe jetzt
Sommerliebe

 

Nur eine Redensart
"Einen Augenblick bitte" sagt der Herr im sportlichen Dress. Ich warte. Nach fast 10 Minuten kommt er mit entwaffnendem Lächeln auf mich zu. Ob er sich bewusst ist wie viele Augenblicke das gedauert hat? Ein Augenblick ist nicht mehr als eine Sekunde. Er hat mich ca. 600 Augenblicke warten lassen.
Aber ich bin im Augenblick bester Laune und tu das mit einem unmerklichen Schulterzucken ab. Ich äußere meinen Wunsch und sein Gesichtsausdruck zeigt Bedauern.
Das tut mir leid, das habe ich im Augenblick nicht am Lager. -
Wann bekommen Sie das wieder rein? -
Also, frühestens in 2 Wochen. -
Donnerwetter, das sind zu viele Augenblicke.
Ich lasse mir Ähnliches zeigen, was mir aber nicht gefällt. Nun schau ich ihn mitleidig an und sage, dass ich mich im Augenblick nicht entscheiden kann. Und das stimmt, in dieser Sekunde kann ich das nicht.
Lustlos gehe ich die Einkaufsstrasse entlang. Augenblick reiht sich an Augenblick. Als ich auf die Uhr schaue ist fast eine Stunde vergangen.
Ein heiteres Hallo reißt mich aus meinen Gedanken. Eine gute Bekannte lacht mich an. Auf die Frage wie es ihr geht, sagt sie: Im Augenblick nicht so gut. Ich schaue sie an und würde gerne fragen: Und wie geht es dir jetzt? - Denn der Augenblick ist vorüber. Ich ärgere mich über meine Wortklauberei und bin still. Wir stehen noch eine Weile und beschließen dann, irgendwo eine Tasse Kaffee zu trinken. Wir wollen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen und setzen uns in ein Straßencafe. Geringer Autoverkehr braust an uns vorüber, aber ohne zu stören. Das sind Augenblicke die ich genieße. Trotzdem wir uns viel zu erzählen hätten, hängt jeder seinen eigenen Gedanken nach, oder ruht in sich.
Für einige Augenblicke bin ich der Wirklichkeit entrückt. Habe das Jetzt und Hier vergessen.
Plötzlich ein Knall. Ein Körper fliegt durch die Luft. Entsetzte Stille wird von lauten Rufen abgelöst. Sirenengeheul von Polizei und Feuerwehr. Ein lebloser Körper wird auf der Trage in das Wageninnere geschoben und das Auto fährt ohne Blaulicht und Sirene fort. Kein gutes Zeichen.
Eben noch heiter, lachend und nur einen Augenblick später im Jenseits. Wirklich nur einen Augenblick.
Bedrückt trennen wir uns und streben unserem jeweiligen Ziel entgegen.
Zu Hause angekommen öffnet mein Mann mir die Tür und ich empfinde diesen Augenblick als großes Glück.

 

Verlassen   
Es ist nur ein Auto. Die Fensterscheiben zertrümmert, ohne Nummernschild.
Abgestellt in einer verlassenen, trostlosen Gegend.
Es sah hier bestimmt nicht immer so aus. Hier haben Menschen gelebt, gelacht, geliebt. Wo sind sie hin?
Wie ist das Auto hierher gekommen? Ist es das Ende einer Flucht? Wurde es gestohlen oder einfach nur hier abgestellt?
Ich gehe zu dem Auto und schau es lange an, berühre sein Dach. "Erzähle mir deine Geschichte" sage ich leise und versonnen. Doch das Auto bleibt stumm. Ich versuche die Tür zu öffnen, aber das geht nicht. Sicher steht es schon lange hier, fern jeder Zivilisation.
Wie unter einem Zwang drehe ich mich noch einmal zu dem alten Auto um und meine Hand streift wieder das Dach. "Danke" schnarrt es leise und ich bin erschrocken. "Willst du mir doch deine Geschichte erzählen?"
Es antwortete: „Du tust mir gut, weil du mich so sanft berührst. Es kommt nicht oft vor, dass hier jemand her kommt. Wenn, dann bekomme ich nur Tritte und höhnische Worte.
Dabei wurde ich geliebt und mit Hingabe gepflegt. Nur, das ist sehr lange her. 3 Besitzer hatte ich. Der erste war jung und stürmisch und hat mich manchmal überfordert. Doch ich bekam reichlich zu trinken, mein Tank war immer gut gefüllt. Der kaufte sich dann aber ein Motorrad und ich wurde von einem älteren Mann gefahren.
Der war langweilig. Er wienerte an mir herum, ich war immer auf Hochglanz poliert, wurde aber nur selten gefahren. Ich habe mich oft gefragt, warum der mich überhaupt gekauft hat. Dann aber bekam mich eine Frau. Die konnte fahren, dass es eine Freude war.
Sie hielt mich zwar sauber, aber sie liebte mich nicht. Ihre Liebe gehörte einem Mann. Wenn man mich fragt, war er ein Hallodri. Aber na, wo die Liebe hinfällt. Manchmal war mir richtig peinlich was sie in mir anstellten. Ein Glück, dass meine Federung gut war.
Ansonsten war ich total unwichtig, wurde kaum beachtet. Nur das Notwendigste ließ sie mir zukommen. Doch wenn sie mich fuhr, dann kam ich so richtig in Fahrt und jubelte.
Was dann geschah, weiß ich nicht genau. Die Frau kam nicht mehr zu mir, ich stand Tage, Wochen. Eines nachts setzte sich jemand an mein Steuer und fuhr los.
Hier in dieser gottverlassenen Gegend stieg er aus und montierte das Nummernschild ab. Das tat mir ziemlich weh. Dann trat er gegen mein Vorderrad und lief weg.
Ich könnte noch fahren, aber so wie ich aussehe glaubt das keiner. So ist sie, unsere Wegwerfgesellschaft. "Was alt ist muss weg."
Ich nehme meine Hand von dem Dach des Autos.
Es ist nur ein Auto und es ist doch wahr was es sagt.

 

Herr Geldsack   
Sparsamkeit ist die Lieblingsregel aller halb lebendigen Menschen.
Herr Geldsack sah aus dem Fenster. Er ging nur fort, wenn er Essen einnahm und bestimmte Bedürfnisse hatte.
Jetzt sah er Herrn Frohgemut, der im Haus gegenüber wohnte, wieder einmal mit einem kleinen Blumenstrauß weggehen. Was war das nur für ein Bruder Leichtfuß! Wie oft der für so etwas Geld ausgab.

Herr Frohgemut schaute nach oben und schüttelte den Kopf. Dieser arme, alte Mann. Er hätte ihm so gern auch einmal eine Freude gemacht. Aber er war arbeitslos, und seine geringen Ersparnisse würden nicht für alle Zeiten reichen. Er lächelte still vor sich hin. Leichten Schrittes ging er voran. Er war bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen. Er hatte Kontakt zu vielen Menschen. Seine freundliche, offene Art machte ihn beliebt. Er beklagte sich nie, es wußten nur Wenige von seiner finanziellen Situation.

Herr Geldsack wollte gerade vom Fenster weggehen. Es wurde langsam dunkel. Da sah er den Mann von gegenüber heimkommen, und gleich danach ging bei ihm das Licht an. Verschwender, dachte er. So dunkel ist es doch noch nicht!
Später, als er die Rolladen herunter gelassen hatte, machte auch er das Licht an. Er nahm aus einer kleinen Lade des Sekretärs ein Sparbuch. Bevor er es aufschlug strich seine Hand fast liebevoll über den Deckel. Freunde kosten Geld, ging es ihm durch den Kopf. Wenn sie zu Besuch kommen muß man sie bewirten. Wenn man zu ihnen eingeladen wird muss man etwas mitnehmen. Das konnte er alles sparen, und es fehlte ihm nichts. Er brauchte die Menschen nicht.
Er wußte nicht, dass er nur halb lebendig war.

 

Ich wachse   
Ich bin in dem engen Mutterleib, von Wasser umgeben. Ich liege nichtsehr bequem, ich schwimme oder schaukle in tiefer Dunkelheit. Ich will raus, ans Licht. Ich fange an zu stoßen und zu rempeln. Als ich kaum noch Kraft habe, werde ich schmerzhaft durch eine Enge ins Licht gestoßen.
Was ist passiert? Ich schreie!! Alles ist anders.
Nun lebe ich. Ich komme an die warme Brust, kann nach Herzenslust nuckeln und satt werde ich auch.

Ich wachse und wachse.
Ich kann krabbeln und lachen. Wenn es um den Po herum naß und klebrig wird, werde ich in trockene Windeln gelegt. Natürlich frisch geputzt.

Ich wachse und wachse.
Ich werde in die Schule gebracht, muss lernen wieviel 1+1 ist, wie man Mama und Papa schreibt und noch Vieles mehr.

Ich wachse und wachse.
Langsam bin ich kein Kind mehr. Ich bekomme Busen und trage meine langen blonden Haare zu einem dünnen Zöpfchen geflochten.

Ich werde reifer und reifer.
Ich habe einen Freund und noch einen, und später dann, als das Herz ganz toll pocht, einen Ehemann. Wir sind so oft es geht in einem Garten, der verwildert ist. Ich bin Dornröschen und mein Mann der Prinz. Er muss mich immer wieder wach küssen. Ein schönes Spiel. Wir liegen in einer Senke, von Büschen umgeben, fest aneinander geschmiegt. So muss es im Bauch meiner Mutter gewesen sein.
Die trockenen Zweige pieken. Aber kleine zarte Blattspitzen sprießen schon hervor. Es ist warm. Der Frühling sagt sich an. Ein Marienkäfer setzt sich auf meinen Arm und wir pusten ihn sanft weg. Wir bringen Vogelhäuschen, selbst gezimmert, an den Bäumen an. Der Flieder hat schon Knospen. Ich bin voller Neugier und Vorfreude auf den Duft. Er ist so einmalig, so süß.

Wir umarmen uns vor Glück und sind dankbar, dass uns Mutter Natur das alles schenkt. Die Vögel beginnen Nester zu bauen. Immer wieder müssen sie etwas aus oder verbessern. Wenn die Jungen dann aus den Eiern schlüpfen, sollen sie es bequem haben und sicher sein.
Ich werde nun auch bald Mutter. Mein Baby wird dann, nach glücklicher Geburt, auch in einer selbst gezimmerten Wiege liegen. Auch in diesem verwunschenen Garten.

 

Der Blick nach vorn   
Sie steht am Fenster des Zuges als er anfährt und schaut in Richtung Lokomotive. Der Zug wird schneller und der Fahrtwind nimmt ihr den Atem.
Schnell tritt sie zurück.
Was erwartet sie?
Sie läßt das andere Leben hinter sich, denn sie ist jung und voller Hoffnung. Es muß da noch etwas geben was anders ist als das was sie kennt. Ist es Neugier die sie treibt? Ist es Sehnsucht? Beides läßt sie diese Reise antreten.
Sie weiß nicht, dass sie noch manchmal in einem Zug sein wird, der sie zu einem unbekannten Ziel bringt.
Das Leben ist eine Reise, immer mit unbekanntem Ziel.
Später, wenn sie alt sein wird, ist es leicht zurückzuschauen. Sie weiß dann was war, aber bis zu ihrer letzten Stunde weiß sie nicht was kommt.

 

Streit der Jahreszeiten   
Der Herbst stürmte mit aller ihm zur Verfügung stehenden Macht vorwärts, nicht nur an Pflanzen und Bäumen schüttelte er, auch so manche Dachziegel und Latten waren in Gefahr. Der Sommer aber warnte, nicht so drängeln, noch habe ich das Zepter in der Hand. Ich habe noch den Altweibersommer in Reserve, also übe dich in Geduld. Ich werde auch von den Menschen am meisten geliebt. Nicht umsonst fliegen sie endlos lange, um in die Wärme zu kommen, den hellen, warmen Strand und das Meer zu genießen. Die Tage sind lang, weil die Sonne lange scheint, und man kann herrliche Feste im Freien feiern.

Triumphierend lachte der Herbst in sich hinein, denn er wußte, seine Zeit kommt! Er war überzeugt, dass die Menschen ihn viel mehr liebten, denn er war der große Zauberer in der Natur. Die Blätter an den Bäumen, gelb, orange, rot, rotbraun, faszinierten die Menschen. Dieses Farbenspiel konnte nur er, der Herbst bieten. Kinder, und selbst ältere Menschen, bückten sich nach den schönsten Exemplaren. Die Floristen verschönten die Herbststräuße mit den bunten Stielen. Und dann die vielen bunten Drachen die die Menschen steigen ließen und ihre helle Freude daran hatten.

Der Winter dachte: Papperlapapp, mich lieben die Menschen, denn ich bringe den Schnee, der besonders von den Kindern herbeigesehnt wird. Ich lasse das inzwischen kahle Geäst märchenhaft vom Rauhreif glitzern und decke die Erde zu, damit sie nicht erfriert. Jeder noch so kleine Hügel wird zur Rodelbahn. Außerdem bringe ich das Fest des Jahres. Weihnachten! Schon Ende November beginnt die Adventszeit mit vielen Heimlichkeiten , Kerzenschein und Leckereien. Heiligabend ist dann der Höhepunkt, so etwas hat keine andere Jahreszeit zu bieten. Außerdem läute ich das Neue Jahr ein!!

Der Frühling wußte, dass sie alle recht hatten. Alle hatten sie etwas was einmalig war. Obwohl, Schnee gab es unter seiner Regentschaft auch schon mal, na und Stürme sowieso. Aber er ließ alles wieder erblühen und das ließ die Menschen hoffen. Sie freuten sich an dem ersten zarten Grün, den länger hell werdenden Tagen. Bevor all die bunten Blumen zu blühen beginnen, ist Ostern. Bunte Eier, Hasen und Küken werden versteckt und gefunden. Ich symbolisiere das Leben und bereite den Einzug für den Sommer vor. Also streitet nicht, jeder von uns ist wichtig, hat seine Aufgabe.

 

Wenn mein Leben eine Landschaft wäre   
Kahle Stämme von Kiefern recken sich empor. Der Boden ist uneben, dicke Wurzeln zeichnen sich ab. Vereinzelt blinzelt die Sonne aus dunklen, dichten Wolken hervor.
Flammen züngeln empor und ihr Rauch verdichtet das Grau.
Ganz hinten eine Lichtung zu der aber kein Weg führt, nur ein kleiner Trampelpfad. Wo sind Pflanzen, Blüten? Sie sind sicher da. Irgendwo.
Während im Osten die Sonne aufgeht, verschwindet im Nordwesten die volle Mondscheibe.

Eine andere Landschaft taucht auf. Ein kleines freundliches Tal mit freundlichen Menschen. Sonne, Blumen, Vögel beleben die Landschaft und es sind viele Wege klar erkennbar.
Plötzlich ein Spalt in der Erde, fast unüberwindbar.
Doch ein kleiner schmaler Steg führt in ein Nirgendwo.

 

Ich lebe jetzt   
Was soll das nur noch werden?
Wo führt das hin?
Die Menschen werden immer schlechter!
Und das Klima!
Unsere armen Kinder, was haben die für eine Zukunft!

Das hört man an der Haltestelle, im Zug, im Wartezimmer, überall wo ein paar Menschen zusammen sind.

Ich bin kein Egoist, aber ein Realist. Manchmal, neben dem Romantiker.
Ich weiss, ich habe nur noch einen Klecks Leben und diesen kleinen Klecks lasse ich mir nicht vermiesen.

Ich lebe jetzt und hier und mache das Beste daraus.

 

Sommerliebe   
Sie liebte den Sommer.
Sie liebte Fred.
Sie liebte italienisches Essen.

Es war ein wunderschöner Sommertag, an dem sie beim Italiener saß. Der Rotwein funkelte im Glas und das Essen war, wie immer, hervorragend. Sie genoss das Ambiente und fühlte sich rund herum wohl.
Da stand er da, Fred, ein Mann wie aus einem Traum.
Gemeinsam verließen sie das Restaurant. Es folgten viele Wochen des Glücks, bevor es Herbst wurde.

Das Grün an den Bäumen wurde kräftiger.
Der Sommer kam.
Die Tage des Essens beim Italiener kamen.
Nur Fred kam nicht.

Er machte nun eine andere Frau glücklich oder auch unglücklich.

Sie war für ihn nur eine Sommerliebe.

 

 
   

 

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