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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 3

Schrift zu klein? In der Fusszeile grössere Schriftart einstellen!Nachdenkliches!
Wir können dieses Leben lieben ...
Der Wind
Gott !?!
Ein Menschenkind
Johannes
Wie gut, dass es die Liebe gibt
Herbst
Momentaufnahme
Ein Blatt träumt
Leben ist Zeit

 

Wir können dieses Leben lieben, weil ...
das Wissen um seine Einmaligkeit uns die Augen öffnet.
Nichts ist selbstverständlich, deshalb muss uns das Werden eines Tages, das Sonnenlicht, das Erblühen der Natur, mit Dankbarkeit und Wohlbehagen erfüllen.
Es ist ein Geschenk, dass ich die Vielfalt der Farben, der Gerüche und das Zwitschern der Vögel wahrnehmen kann.
Mein Innerstes ist offen für all die Herrlichkeit, was nicht verhindern kann, dass auch Negatives aufgenommen wird.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, eins ist ohne das andere nicht möglich.
Menschen bevölkern dieses Leben, und nicht alle sind unseren Wünschen und Vorstellungen entsprechend.
Entspreche ich den Vorstellungen anderer Menschen?
Jeder Mensch wird in diese Welt hinein geboren, ob er will oder nicht. Und nicht jeder hat das Glück geliebt, und in seiner Entwicklung gefördert zu werden. Es können sich nicht alle Menschen lieben, aber sie könnten versuchen sich zu verstehen und zu tolerieren.
Wir können dieses Leben lieben, weil es uns Empfindungen wie Liebe, Glück und Zärtlichkeit gegeben hat.

 

Der Wind   
Meine Beziehung zum Wind ist vielfach.
Seine Berührung kann sanft sein, wohltuend, belebend, und auch beinahe erotisch.
Ebenso peitscht er die eisige Kälte gegen meinen Körper, sodass ich Schmerz empfinde. Dann leidet die Nase in meinem Gesicht, denn sie ist ihm schutzlos ausgeliefert.
Im Sommer, am Meer, kühlt der Wind meinen erhitzten Körper.
Er umschmeichelt ihn und ich gebe mich gern dieser Berührung hin, die wie eine Liebkosung ist.
In der brütenden Hitze der Großstadt, ist allein schon ein leichter Windzug eine Wohltat. Ich möchte dann meine Arme ausbreiten und ihn wohlig empfangen.
Den flüsternden Wind mag ich sehr, hingegen zu Sturmstärke angeschwollen, tosend, flößt er mir Angst ein. Der Wind steckt auch tief in mir, ist also mit einem Menschen zu vergleichen. Er kann zärtlich, anschmiegsam, erfrischend und angenehm sein.
Aber er kann auch aufbrausend, an den Nerven zerrend und unangenehm sein.
Ganz gleich zu wem, bzw.. zu was, ich eine Beziehung habe, sie unterliegt dem steten Wandel.
Das ist so in der Natur, und ich bin, wie jeder Mensch, ein Stück Natur!

 

Gott !?!   
Zuerst muss ich Dich um Verzeihung bitten, weil ich Deine Existenz anzweifele.
Alles was uns umgibt, das Werden eines Lebewesens, die Natur, ist für mich ein Wunder.
Der Ursprung liegt in einer gewaltigen Kraft. Und diese Kraft sollst Du sein!?! Ich muss glauben, das heißt Vertrauen haben. Vertrauen kann man nur dem Guten. Doch da ist dieses Misstrauen, dieser Zweifel, dieses ewige "warum?"
Gott, Glaube, Vertrauen, gehören zusammen.
Warum aber triumphiert so oft das Böse?
Kinder, die ihr Leben noch vor sich haben, unschuldige Menschen, die keinem etwas zuleide taten, werden aus dem Leben gerissen, sei es durch Krankheit oder ein Verbrechen.
Du lenkst unsere Wege, heißt es, aber warum nur, auch ins Verderben?
Auf der Suche nach einer Antwort, habe ich mich mit Mormonen, Zeugen Jehovas und anderen unterhalten. Es hat mir nichts gebracht, außer der Erkenntnis, dass in mir etwas ist, was ich nicht erklären kann.
Ich beginne zu hoffen, dass Du in mir bist, ohne dass ich es weiß.

 

Ein Menschenkind   
Das Wunder der Schöpfung, ein Menschlein wird geboren.
Es wird aus der geborgenen Dunkelheit hinausgepresst, ins Leere, das sich Leben nennt. Zerknittert und hilflos, sucht es instinktiv die Brust der Mutter, und saugend, bzw.. nuckelnd, presst es das Näslein fest dagegen.
Das Bündelchen weiß nicht ob es Abneigung erfährt oder Liebe.
Welch Glück, wenn es behütet wachsen und gedeihen kann.
Die Sinne erwachen. Es kann krabbeln, laufen, greifen, wahrnehmen. Es versteht Signale.
Ausgebreitete Arme z.B..- in diese läuft es lachend hinein. Es kann schon einen lieben Blick von einem strengen, ja, bösen Blick unterscheiden.
Es wächst heran, ist längst über "Mama", "Papa" und "Oma" hinaus.
Der Tag ist da, an dem die Schultüte den beginnenden Ernst des Lebens versüßen soll. Dem Kind wird gesagt, sogar befohlen, was es zu tun oder zu lassen hat. Es ist gewohnt zu gehorchen, denn bei Ungehorsam wird es bestraft. Woher soll es wissen, dass es Situationen gibt wo es wichtig wäre sich zu weigern?! Es kennt kein Selbstwertgefühl. weil es immer nur tun muss was andere wollen.
Manchmal hätte es Schutz gebraucht, aber wo sollte es den finden? Es hatte ja nie Recht. Vielleicht war das alles normal?
Im wahrsten Sinne des Wortes war ihm eingebläut worden, zu tun was man verlangte. Es duldete und schwieg.
Sicher, es spielte, tobte, lachte, unterschied sich von anderen Kindern nicht. - - - -
Mit der Konfirmation endete die Schule und die Leerzeit begann.
Es war geprägt von der Angst vor anderen, fremden Menschen. Allen sollte es recht gemacht werden. Mutter wäre sonst sehr böse geworden, und das bedeutete körperlichen Schmerz.
Für die Vorgesetzten und Kolleginnen war das, nun junge Mädchen sicher mitunter etwas merkwürdig.
"Lehrjahre sind keine Herrenjahre" und "Du bist nichts, du kannst nichts und aus dir wird nichts" waren die Sprüche ihrer Mutter.
Nach der 3jährigen Lehrzeit hatte sie versucht auszubrechen. Ihr eigener Wille war erwacht, angestachelt, unter Beweis zu stellen, kein Niemand zu sein. Sie war ins Leben gepresst worden, lange erpresst, und der Repressalien waren genug. Jahrzehnte waren vergangen, viel war geschehen, ja, hatte sich zum Guten geändert. Was geblieben war, war sich gegen Zwang zu wehren. Höflich, aber bestimmt.

 

Johannes   
Johannes ist ein bemerkenswerter junger Mann.
Er ist Mitte zwanzig und hat viel Freude daran, anderen Menschen zu helfen. Egal, ob sie behindert, jung oder alt sind. Ihm ist bewusst, dass er auf der Sonnenseite des Lebens steht.
Von Beruf ist er Zimmermann, aber seine Berufung sieht er darin, den Menschen, die einsam, unglücklich oder in der Beweglichkeit eingeschränkt sind, etwas Licht in's Leben zu bringen. Es macht ihn glücklich, wenn er ein Aufleuchten in den Augen wahrnimmt.
Zwar teilt er das Schicksal arbeitslos zu sein mit vielen Menschen. Er bekommt Sozialhilfe, hat aber das Glück, dass die Eltern und auch andere, ihm nahestehende Menschen, des öfteren seine Finanzlücke etwas ausbessern.
Er kennt einige die in ähnlicher Situation herumlungern oder verbittert sind. Er macht aus der Not eine Tugend.
Auch heute steht Frau Karl schon am Fenster und winkt ihm freudig zu, bevor sie die Gardine ordentlich zuzieht. Er lächelt und nimmt im Haus immer gleich zwei Treppenstufen auf einmal. Bevor er die Klingel erreicht, öffnet sie schon die Tür. Für den Haushalt hat sie Hilfe, er sitzt gemütlich mit ihr zusammen bei einem Tässchen Kaffee. Einmal im Monat besucht er mit ihr eine kulturelle Veranstaltung, und sie haben beide Freude daran das Erlebte zu besprechen. Wie im Flug sind zwei Stunden vergangen und er geht.
Der kleine Stefan erwartet ihn schon ungeduldig. Er ist spastisch gelähmt und seine Mutter blüht jedesmal richtig auf, wenn Johannes bei ihnen ist. Die dunklen Schatten sind für eine Weile verzogen. Stefan erzählt ihm manches was er ihr nicht sagt. Es stimmt einfach zwischen den beiden "Männern". Aber auch hier geht die Zeit viel zu schnell vorüber.
Am nächsten Tag scheint die Sonne und Johannes freut sich auf den nahenden Frühling, ja, er riecht ihn förmlich. Ein fröhliches Lied summend tritt er auf die Straße und ein Auto reißt ihn in die Dunkelheit.
Er erwacht im Krankenhaus und ist erstaunt, es ist ihm so gut wie nichts passiert. Doch dann bemerkt er, dass er sich nicht rühren kann.
Wenig später tritt ein Ärzteteam an sein Bett und die Gesichter machen ihn betroffen. Er erfasst nur ein Wort, QUERSCHNITTSLÄHMUNG!
Wie eine Welle pflanzt sich dieses Wort fort und weicht einer lähmenden Stille.
Soll das schon alles gewesen sein?

 

Wie gut, dass es die Liebe gibt   
Die Farben schwarz, blau, rot und gelb waren sehr selbstbewusst, sich ihrer Schönheit bewusst. Sicher schritten sie über den Laufsteg.
Sie waren bemüht sich nicht zu berühren, weil sie ihre Farben rein und klar erhalten wollten.

Doch dann geschah es, die Farbe blau verliebte sich in das Gelb. Der Wunsch das Gelb mal zu berühren, es zu streicheln, wuchs und wurde übermächtig. Gegen die Liebe ist kein Kraut gewachsen und wird nie eins wachsen.
Das Gelb aber hatte sich in das Rot verliebt und Mühe, das zu verbergen.

Einige Zeit ging das auch gut. Wieder schritten sie erhaben und stolz über den Laufsteg und der Applaus machte sie glücklich. Euphorisch griff die Farbe blau nach dem Gelb und drückte es an sich. Verwirrt löste sich das Gelb und taumelte auf das Rot.
Es dauerte nicht lange und der Ausrutscher zeigte Folgen. Zarte Farbtöne waren geboren und sie wurden begeistert angenommen.

Die älteren Menschen mussten nicht mehr schwarz und blau tragen. Sie wählten die feinen Pastelltöne die ihre Falten etwas milderten und sie blühten regelrecht auf.
Die Jugend liebte nun kunterbunt, egal ob es passte oder nicht. Heute sagt man: Erlaubt ist was gefällt.

So lange die Welt besteht gibt es die Liebe und die war es die dafür sorgte, dass sich die Farben mischten.

 

Herbst   
Einige Bäume sind schon kahl. Sie geben den Blick auf die Gärten frei. Die Birken wiegen sich anmutig. Ihre Blätter haben das Gold verloren, sie leuchten nicht mehr, aber sie zittern, sind kraftlos. Gelb bis Rost sind nun ihre Farben. Nur das satte, dunkle Grün der Nadelgehölze bleibt unverändert. Zuweilen eine rote Baumkrone, die aber auch schon ihre Leuchtkraft eingebüßt hat.
Es dauert nicht mehr lange, dann hat der Wind alle Blätter weggepustet. So schmucklos warten die Bäume auf den Schnee, der sie nicht nur verschönt, sondern auch wärmt. Herbst, der große Maler hat seine Pinsel ausgewaschen, seine Arbeit ist getan.

 

Momentaufnahme   
Es ist Frühling. Das Licht, die Wärme wecken Sehnsucht und Träume. Könnte ich doch aus meiner Haut heraus.
Stück für Stück und immer mehr ich selbst werden.
Ich bin inzwischen ich selbst, aber nicht so, wie ich wirklich gerne wäre. Ich fühle mich in meiner Haut nicht wohl, nur mir fehlt die Kraft meinen Kokon zum Platzen zu bringen.
Zu oft schon wiederholte sich dieser Vorgang und irgendwann ist Schluss. Vielleicht noch einmal, ein letztes Mal würde ich mich gerne strecken, dem Licht entgegen.
Vielleicht aber wäre ich auch zufrieden einfach stecken zu bleiben.

 

Ein Blatt träumt   
Es sah spielende Kinder, fröhliche Menschen. Es sah den Vögeln nach, wie sie durch die Lüfte segelten, schwerelos. Es hing fest am Ast eines Baumes, voller Sehnsucht, das Blatt.
Wenn Wind aufkam hoffte es. Jetzt, jetzt würde er es wegtragen, weit weg und ganz hoch. Aber nein, es zappelte nur hin und her.

Allmählich wurde es gelb. War es der Neid der das Blatt verfärbte oder lag es daran, dass es Herbst wurde. Es wurden immer mehr Blätter die an ihm vorbei flogen und es begann wieder zu hoffen.

Es war nun auch langweilig. Die Menschen die es zu sehen bekam hatten zu tun. Sie schnitten die Hecken, gruben empfindliche Pflanzen aus und Zwiebeln, damit sie die kalte Jahreszeit überleben konnten. Kinder kamen kaum noch, die hatten jetzt andere Möglichkeiten sich zu vergnügen.

Wo waren die Vögel, die sich so leicht im Wind bewegten?
Das heisere Krächzen der Krähen hörte das Blatt. Doch sie flogen längst nicht so wie die Vögel die nun fort waren. Spatzen sah es noch. Ihr Flug war aber nicht so elegant, sie schwirrten mehr.
Überhaupt war alles so ganz anders.
Es sah sich um und bekam fast Angst, denn es waren nur noch wenige Blätter die es sah. Bevor es aber in Trübsal verfallen konnte spürte es einen leichten Hauch. Es war frei, frei!
Selig spürte das Blatt wie es durch die Luft wirbelnd nach oben getragen wurde. Endlich! Wann würde es bei den Vögeln ankommen und mit ihnen tanzen können? Ein kräftiger Windstoß gab ihm neuen Auftrieb und es jubelte, hoffte, dass es immer so weiter ginge.

Das Blatt merkte, dass es vorbei war mit dem Höhenflug. Es schaukelte nur noch und fiel immer tiefer. Wind! Wo blieb der Wind? Doch es war schon zu spät. Ein Mensch kam mit einer Gehhilfe und drückte es fest auf die anderen am Boden liegenden Blätter.
Es würde nun viel lieber am Ast des Baumes hängen. Dieses Ende hatte es nicht gewollt.
Woher sollte das Blatt auch wissen, dass jeder Anfang ein Ende hat.

 

Leben ist Zeit   
Leben ist geschenkte Zeit.
Die Zeit vergeht und auch das Leben.
Gesammelte Zeit ist das Alter. Alles fließt, das Eine geht in das Andere über, es verändert sich.
Nichts ist nach Ablauf einer gewissen Zeit unverändert. Spuren sind Falten, Risse und Zerfall. Das ist so beim Menschen und in der Natur.

Ein Haus meines Baujahres ist mir ähnlich.
Der Lack ist ab. Wenn nichts gemacht wird zerfällt es, wird eine Ruine und verschwindet eines Tages ganz.

Nach dem Krieg gab es viele Ruinen, viele menschliche Wracks.
Die, die überlebt hatten, waren gezeichnet. Die Angst, das Erlebte und auch der Hunger hatten Spuren hinterlassen.

Dem alten Menschen muss man zuhören wenn man seine Geschichte erfahren will. Alles andere muss man ansehen, beobachten, um seine Geschichte zu erfahren.

Ein neuer Anstrich lässt ein Haus wieder besser aussehen, aber die Substanz ist baufällig.

Der Mensch kann versuchen sich zurecht zu machen. Dann täuscht das Äußere, ändert aber nichts am tatsächlichen Zustand.

Das Geschenk Leben ist ein Geschenk auf Zeit. Die Zeit vergeht, das Alter kommt.
Alles ist vergänglich.

 

 
   

 

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