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Kurzgeschichten 10

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Berni
Gretchen
Falten
Nie wieder Kamel
Zahnschmerzen

 

Berni
Mensch, ist das langweilig.
Jeden Tag sitze ich hier auf der Rückenlehne des kleinen Sofas und jede Nacht auf dem schmalen Bord neben dem Bett meiner Menschenmutter. Manchmal nimmt sie mich am Abend mit auf den Balkon, um den Tag zu verabschieden.

Sie nennt mich Berni, weil ich aus Bernöwe komme. Sie liebt mich sehr, ich höre immer wieder wie sie mich lobt. Ich sei so weich und kuschelig und mein Gesichtsausdruck so lieb.
Vor 2 Jahren, als sie mich geschenkt bekam, war ich strahlend weiß. Inzwischen bin ich schmuddelig vom Kuscheln und Knutschen. Jeden Morgen und jeden Abend ein Küsschen! Ist ja ganz schön, aber ein bisschen übertrieben ist es schon.
Meine Menschenmutter wäscht sich 2X täglich. Mich hat sie noch nie gewaschen, mir sprüht sie nur mal etwas von ihrem Eau de Toilette an den Bauch. Vielleicht müffele ich schon etwas, obwohl ich nicht schwitze.

Als es sehr kalt war, nahm sie mich abends für kurze Zeit mit ins Bett. Aus Angst, sie könnte mich erdrücken, setzte sie mich vor dem Einschlafen auf das Bord. War auch besser, denn ich bin nur handtellergroß und werde so bleiben. Stoffteddys wachsen nun mal nicht

Wenn sie mal für 2 oder 3 Tage nach Bernöwe fährt und ich alleine bin, fehlt mir schon etwas. Dann bleibe ich auf der Sofalehne sitzen und schau auf den dunklen Bildschirm gegenüber. Da sitzen dann Paulchen, ein brauner Bär aus Falkensee, das Sandmännchen, von der Mutter meiner Menschenmutter, die Maus aus dem Vogtland und die beiden hübschen Clowns mit den Porzellanköpfen, von der Tochter meiner Menschenmutter. Aber das ist ganz schön weit weg von meinem Platz und die reden nicht mit mir. Ob sie das untereinander tun weiß ich nicht. Ich glaube Paulchen ist eifersüchtig, denn bevor ich kam, spielte er die Hauptrolle. Sein Nachteil ist, dass er sich nicht so knuddeln lässt.

Meine Menschenmutter freut sich schon sehr auf die warme Jahreszeit, dann ist sie wieder öfter in Bernöwe. Und ich? ich sitze dann hier. Sie könnte mich ja mal mitnehmen, dann würde ich Elke wiedersehen, die mich gekauft hatte und der ich verdanke, dass ich hier bin, wo ich es gut habe.
Aber nein, nach einem Abschiedsküsschen sagt sie nur: Passe schön auf alle auf! Weg ist sie.

 

Gretchen   
Ich sitze vor der aufgeschlagenen Seite eines Photoalbums und schaue, fasziniert wie nie zuvor, auf das Bild eines etwa 3jährigen Kindes.
Das Kind sieht aus wie ein Knabe, dem man ein Kleidchen angezogen und eine Kette umgehangen hat.
Aber meine Mutter hatte mir erzählt, daß ich das bin. Ich hatte einen Schmollmund, den man heute sexy nennen würde, aber er deutet wohl eher ärgerlichen Trotz an. Beim Anschauen werden Erinnerungen wach, aber nicht an Erlebtes, sondern an das was mir erzählt wurde, und zwar von meiner Mutter.
Das Gretchen, so nannte mich meine Mutter, schaute mich zwingend von dem Bild an, und wir verschmolzen zu einer Person.

Was war geschehen, damals, 1926 ? Ich war allein in der Wohnung und hatte Langeweile. Es gab nur eine Stube und die Küche, in der ich spielte. Die Toilette war 1/2 Treppe tiefer und die einzige Wasserquelle in der Küche. Dort stand auch der Ständer mit der Waschschüssel, und daneben hing ein Spiegel. Wie ärgerlich, daß der so hoch hing. Ich holte eine Fußbank, auf die ich mich stellte. Die Grimassen die ich schnitt, konnte ich leider nicht sehen, nur meine Haarspitzen. Das brachte mich auf die Idee Friseur zu spielen. Ich brauchte auch nicht lange zu suchen, bis ich eine Schere fand, und stellte mich mit dieser wieder auf die Fußbank.
Das war nicht einfach, Haare schneiden ohne etwas zu sehen. Ich war mächtig stolz auf meine Kunst und freute mich über die fallenden Locken. Was wird sich erst Mutti freuen, wenn sie das Friseurgeld spart.
Ich schnitt und schnitt, bis meine Hände ins Leere griffen. Ich hörte wie die Tür aufgeschlossen wurde und lief Mutti voller Vorfreude auf das Lob entgegen. Aber sie wußte meine Tat nicht zu schätzen, sie schrie "GRETE", und das bedeutete nichts Gutes. So nannte sie mich nur, wenn sie wütend war. Sicher ärgerte sie sich über die Haare auf dem Fußboden, darum wollte ich auch schnell Handfeger und Müllschippe holen, aber sie riß mich einfach hoch.
Laut schimpfend zerrte sie mich die Treppen hinunter und zum Friseur. Ich schämte mich, denn alles guckte zu mir, aber warum nur? Ich fing nun auch an zu schreien, weil ich Ungerechtigkeit empfand.
Mutti setzte mich unsanft auf den hohen Stuhl und die Frau im weißen Kittel hüllte mich in einen Umhang. Nun erst sah ich in den großen Spiegel und erschrak. Was war das für ein häßliches Kind?! Ich begann zu heulen und zu schluchzen, daß es einen Stein erweicht hätte, aber nicht Mutti! Die mußte doch auch mal Luft holen, so dachte ich wenigstens. Die Frau schloss die Ladentür, denn es sahen immer wieder Leute herein, die wohl an eine Schlägerei dachten.
Während Mutti schimpfte und ich wie am Spieß schrie, machte sich die Frau im weißen Kittel an meinem Kopf zu schaffen. Den Hinterkopf rasierte sie kahl, und ich staunte, daß immer noch Haare zu Boden fielen.
Ich war schrecklich wütend, weil ich doch keine Schuld hatte. Ich wollte doch nur, daß Mutti Geld spart. Mutti war schuld, denn sie hat mich ja zum Friseur geschleppt. Die Frau im weißen Kittel? Ja, die besonders, die hat die Haare so kurz geschnitten und Mutti gibt ihr noch Geld dafür!!
Wir mussten über die Straße und das war fürchterlich. Die Hausbewohner lachten und manche strichen mir über die Stoppeln.
Was werden Papa und Oma sagen? So wie ich aussah, hatte ich schon etwas Angst. Oma sah mich zuerst und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Aber sie sagte "Gretchen" und das war schon mal gut. Papa guckte erstaunt, ohne Worte, so wie es seine Art war. Ich glaube sogar, er schmunzelte.
Längst hatten sie meine Locken, die Schere und die umgefallene Fußbank bei der Heimkehr gesehen und sich ihren Reim darauf gemacht.
Und, das Schönste war, Papa sagte "Gretel" zu mir, so wie immer.
Mutti´s "Gretchen" konnte ich sowieso nicht leiden. Ich schlich mich zu Papa und fragte ihn, ob man die Haare wieder anmachen kann. Aber da konnte er mir nicht helfen. Die wachsen doch wieder, womit er Recht hatte.
Aber meine kleine Seele trug Narben davon.

 

Falten   
Die Falten in meinem Gesicht machen mich nicht gerade glücklich. Aber sie gehören zu mir, spiegeln mein gelebtes Leben wieder.
Es gibt andere Falten, die schreien geradezu nach einem Skalpell, denn sie sind gefährlich. Sie haben sich ausgebreitet, überall wo Teppichboden ist. Neben der Gefahr die sie als Stolperfalle bedeuten, sind sie auch noch hässlich.
Wenn ich, nachdem es geklingelt hat, die Tür öffne, sieht der Besucher zuerst Falten. Falten, die den Fußboden verunstalten. Das hat den Vorteil, dass er von meinem Gesicht abgelenkt ist und die Falten dort übersieht. Spätestens wenn er sitzt und mich beim Sprechen ansieht, dominieren meine Falten. Ich gebe mir Mühe zu lächeln oder zu lachen, dann gehen sie als Lachfalten durch. Aber Lachfalten auf der Stirn? Nein, die sind vom Denken. Einstein hatte auch viele Falten und als er starb war er jünger als ich jetzt. Für die Frechheit, Einsteins Falten mit meinen zu vergleichen, bitte ich um Nachsicht.
Meine Falten sind zwar nicht schön, aber völlig ungefährlich. Kein Mensch kommt ins Stolpern, wenn er mich ansieht oder streichelt. Meine Kinder tun das zuweilen.
Ich bin bisher glimpflich davon gekommen, fand beim Stolpern zu meinem Glück eine Halt gebende Wand oder ein Möbel was meinen Sturz bremste.

Ich werde jetzt gelassen meine Hände falten und beten, dass niemand durch meine Teppichfalten zu Schaden kommt.

 

Nie wieder Kamel   
Was soll ich? Auf einem Kamel reiten? Und das drei bis fünf Tage lang?
Nein danke!
Safari sehe ich mir nur im Fernsehen oder im Kino an.
Ich habe noch gut einen Ritt auf einem Kamel in Erinnerung. Es war damals auf Gran Canaria, nur ca. 15 Minuten lang, aber das reicht für mein restliches Leben.
Man konnte wählen, Esel oder Kamel. Was soll ich auf einem Esel! Nein es musste ein Kamel sein, die Gelegenheit habe ich vielleicht nie wieder.
Mein Mann wählte einen Esel, er war nicht so erlebnishungrig wie ich.
Die ersten der Karawane setzten sich schon in Bewegung. Mein Kamel kniete noch und wurde von einem Helfer festgehalten während ich aufstieg. Das ging ganz gut. Nun aber erhob es sich ruckartig und ich hatte Mühe nicht vornüber, bzw. nach hinten abzustürzen. Für meine Umwelt hatte ich keinen Blick, ich konzentrierte mich nur auf die Gangart meines Wüstenschiffes. Die Bezeichnung für dieses Tier wurde mir jetzt richtig bewusst.

Ich dachte an meinen Mann der so klug war einen Esel zu reiten. Sehen konnte ich ihn nicht.
Er hatte sich auf "Nummer Sicher" gewähnt bei seiner Wahl, denn er wollte sich nicht die Ohren brechen, wie er sagte. Ich fand das auch richtig, denn bei seinen ziemlich abstehenden Ohren und der Größe wäre es nicht unmöglich gewesen.

Als unsere Karawane von dem Rundritt zurückkehrte sah ich meinen Mann mit einem dicken Pflaster auf einer Bank ruhend. Er war kurz nachdem er den Esel bestiegen hatte von dem durchgehenden Tier abgeworfen worden. Die Ohren hatte er sich zum Glück nicht gebrochen. Mein Mitgefühl und das der zurückkehrenden Gruppe genoss er, erholte sich aber sehr schnell, denn verpassen wollte er ja auch nichts. Alle die geritten waren bekamen einen Führerschein für das Reiten eines Kamels oder Esels.

Fotos können belegen, dass es die reine Wahrheit ist, nichts als die Wahrheit.

 

Zahnschmerzen   
Franz Günther hat Zahnschmerzen. Die linke Backe ist geschwollen und er leidet unbeschreiblich. Statt zu schlafen ist er wohl schon ein paar Kilometer gelaufen. Auf und ab, mal längs, mal quer durch das Zimmer der kleinen Pension.
Marianne sitzt in ihrem Bett, sie würde gerne schlafen, aber das ist nicht möglich bei dem Gewimmer. Sicher, Männer sind empfindlich, aber es ist sichtbar, dass mit seinen Beißerchen etwas nicht in Ordnung ist.

Endlich, 7 Uhr, da ist der Gastwirt sicher schon ansprechbar. Während Franz Günther noch immer wandert, stolpert Marianne die Treppen hinunter.
Herr Klüsendühn ist dabei die drei Tische einzudecken. Mehr kann der kleine Gasthof nicht beherbergen.
Marianne fragt ihn nach einem Zahnarzt und schildert das Leiden ihres Mannes. Herr Klüsendühn unterbricht seine Arbeit und kratzt sich am Kinn. "Zahnarzt? Nee, dat ham wir hier nicht. In der Kreisstadt gibt es einen." "Aber mein Mann hat tierische Schmerzen!"
"Tierische Schmerzen? Nen Tierarzt haben wir hier. Den Doktor Schreihahn. Aber ob der heute, am Sonntag, da ist, na ick weeß nicht."

Marianne trabt die Treppe hinauf und teilt Franz Günther die Auskunft des Gastwirts mit. Seine Backe ist bedrohlich dick und glänzend. Er kann kaum reden, weil es so sehr spannt.
"Ein Tierarzt? - - Egal, ich kann nicht mehr. Frag ihn mal."
Marianne hopst fast die Stufen hinab. "Ach bitte, rufen Sie doch den Tierarzt an, mein Mann hält die Schmerzen nicht mehr aus."
"Gemach, gemach junge Frau, ick red mit ihm."
Welch ein Glück, er ist da. Marianne staunt. Warum lacht der Herr Klüsendühn denn? Er legt auf und sie sieht ihn fragend an.
"Na, denn man tau, der Doktor wartet."

Marianne holt Franz Günther. Es ist ja nur über die Straße und er kann auch gleich in das Behandlungszimmer. Marianne ist angespannt und rechnet jeden Moment mit einem Schrei Ihres armen Mannes.

Im Behandlungszimmer, nur auf größere und kleinere Tiere eingestellt, bietet der Doktor Franz Günther einen bequemen Armlehnsessel an, den er an die Wand stellte, damit der Geplagte seinen Kopf dort anlehnen kann.

"Eigentlich dürfte ich Sie nicht behandeln, denn wie Sie wissen, bin ich Veterinär. Eine Spritze kann ich Ihnen nicht geben, die würde Sie glatt umhauen. Aber ich habe da ganz privat etwas, das wird Ihren Schmerz betäuben."

Er geht in das Nebenzimmer und kommt mit verschmitztem Lächeln zurück. "Ich habe hier einen Mitschnitt von einem guten Freund geschenkt bekommen."

Er stülpt ihm die Kopfhörer auf die Ohren und drückt den Wiedergabe Knopf. Dann wartet er ca. 2 Minuten und setzt die Zange an.
Franz Günther stöhnt. Leise nur. Er hat die Augen geschlossen und der Doktor sagt: "So, nun spülen Sie mal schön den Mund aus." Er hält ihm ein großes Glas Wasser hin und einen Eimer zum Ausspucken.
Franz Günther ist noch benommen, ohne Spritze. Da sieht er seinen Zahn, der ihm so sehr zugesetzt hatte und staunt, dass alles schon vorbei ist.

Knallrot im Gesicht bedankt er sich bei Doktor Schreihahn und stottert verlegen, ob er nicht auch einen Mitschnitt von dem Band haben kann.
Dieser TELEFONSEX könnte ihm behilflich sein, wenn er seinen Klienten die Rechnung präsentiert.

 

 
   

 

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