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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 7

Schrift zu klein? In der Fusszeile grössere Schriftart einstellen!Humoriges!
Nachwachsende Energie
Muckefuck
Und das in meinem Alter
O Maria!
Die Hecke

 

Nachwachsende Energie
Die Formen der Energie sind vielfältig. U.a. ist es die Fähigkeit eine Leistung zu erbringen.
Aber, nachwachsende Energie, was ist das?
Die Werbung behauptet: Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück?
Doch, ob Verbrauchtes zurück gebracht wird oder, ob etwas nachwächst ist ein Unterschied. Man müsste den Spot ändern.
Der Mars Riegel versagt nie, dank nachwachsender Energie.

Ist es nachwachsende Energie, wenn ein Regenwurm durch einen Spatenstich geteilt wird und jeder Teil die Energie hat weiter zu leben? Eigentlich ja. Die Fähigkeit zu einer Leistung ist das allemal. Und da wächst auch wirklich etwas nach!

Das Baby hat die Fähigkeit zu wachsen, auch das ist eine Leistung.
Beim alten Menschen bringt der Körper die Leistung nicht mehr auf. Er stellt das Nachwachsen der Energie ein, er schrumpft.
Nur die Nägel wachsen immer weiter.

Jetzt ist der Mensch gefordert mit diesem Zustand fertig zu werden.
Wie gut, wenn er sich einen Vorrat Mars angelegt hat.
Denn: Der Mars Riegel versagt nie, dank nachwachsender Energie.

 

Muckefuck   
Frau Muckefuck macht ihrem Namen alle Ehre. Sie duftet nicht, ist dünn und blass. Bedeutungslos.
Vergeblich hat sie lange nach einem Mann Ausschau gehalten. Aber wer will schon so etwas Fades zur Frau. Sie war noch nicht zu alt, hätte eventuell noch Mutter werden können. Doch sie hat aufgegeben.

In der Vorweihnachtszeit hatte sie sich zu einem Kochkurs angemeldet und freute sich auf die erste Doppelstunde. Erstaunlich, sogar Männer waren anwesend. Man stellte sich gegenseitig vor. Ein gut aussehender Mann sagte: "Ich bin Peter Mocka". Frau Muckefuck bekam einen Lachanfall. Verwundert blickten die Anderen sie an. Was gab es denn da zu lachen? Doch als sie an der Reihe war und sagte: "Ich bin Paula Muckefuck", lachten alle mit.

Herr Mocka zeigte Interesse. Er ließ keine Gelegenheit aus, neben ihr zu sein. Er lud sie ein ins Kino, zu einem Konzert oder auch zum Essen.
Frau Muckefuck begann ein Eau de Toilette zu benutzen. Dezent trug sie einen Lippenstift auf und betonte die Augen. Sie begann zu strahlen. Sie hieß nun nur noch Muckefuck, sah aber nicht mehr so aus.

Kaum zu glauben, die Beiden wurden ein Paar. Zuerst bekamen sie ein Mädchen, dann einen Knaben. Es waren reizende Kinder.
Sie hießen Anita und Christian Muckefuck-Mocka.

 

Und das in meinem Alter   
Die U Bahn hält. Ich steige ein und setze mich auf einen Platz in Fahrtrichtung. Ich achte darauf, dass ich keine Falten in meine leichte Jacke sitze.
Nun sehe ich auf. Mir gegenüber sitzt ein Mann, der auch in unserem Hochhaus wohnt. Wir schauen uns gleichzeitig an. Ein verlegenes Lächeln auf beiden Seiten und ein tonloser Morgengruß, dann schaut jeder in eine andere Richtung.

Ich vermeide es ihn anzusehen, aber ich beschäftige mich mit ihm. Seinen Namen kenne ich und mit seiner Frau habe ich auch schon ein paar Worte gewechselt.
Ich sinniere.
1968 wurde das Haus erbaut, wir zogen am Jahresende ein. Sylvester saßen wir auf Umzugskartons, aber das Feuerwerk war ein Erlebnis. Wir schauten Richtung Spandau, über Gartenkolonien, aus dem 6. Stock.
Das damals junge Ehepaar wohnte mit einem Jungen und einem Mädchen in eine der oberen Etagen. Im obersten, dem 15. Stockwerk, keinesfalls. Ob sie auch, wie wir, Erstmieter sind, das weiß ich nicht.
Heute sind sie Großeltern. Wie die Zeit vergeht!

Wenn mein Blick ihn mal kurz streift, schaut er nach Nirgendwo. Komisch, man wohnt Jahrzehnte in einem Haus und über einen kurzen Gruß kommt man nicht hinaus. Am Liebsten würde ich das ändern. Ich kann doch aber nicht einfach los plaudern. Was würde er von mir denken?

Ich sehe auf den Monitor, wo die Werbung läuft. Das ist nicht gerade bequem. Ich sitze zu nahe, mir tut mein Genick weh. Warum tu ich mir das an?
Ich sehe nach draußen, noch 4 Stationen. Aber vielleicht steigt er schon früher aus. Nein, den Gefallen tut er mir nicht.
Bevor der Zug hält, stehe ich auf. Ein kräftiger Ruck lässt mich nach Vorne schießen. Ich greife in's Leere. Mein Gegenüber aber packt beherzt und kräftig zu.
Meine linke Brust ist fest in seiner Hand und fängt mich auf.
Der Zug steht und er läßt schnell los. Ich denke, er merkte was er in der Hand hatte. Peinlich berührt sage ich: "Danke." Natürlich für den Halt, den er mir gab. Nicht für die Berührung.

Beim Aussteigen an der Tür sagt eine Mitfahrerin: "Na, da sind sie ja ganz schön aus dem Gleichgewicht gekommen." Lachend erwidere ich: "Und das in meinem Alter!"

 

O Maria!   
"Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen einen Ersatz schicken" sagt meine Hilfe. Ich freue mich, denn 6 Wochen ohne Putzhilfe sind eine lange Zeit. Allerdings bremst sie meine Freude etwas. "Sie spricht viel. Aber sie sind ihr ja fremd, da hält sie sich bestimmt zurück." Das denke ich auch. Ich erfahre noch, dass sie teils Argentinierin und teils Italienerin ist.

So kommt der Tag an dem ich Maria, so heißt sie, erwarte. Ich öffne das Küchenfenster und sehe hinaus. Da steht eine Frau dick vermummt mit einer pinkfarbenen Jacke, die Kapuze ins Gesicht gezogen. Die ist verabredet ins Schwimmbad zu gehen, denke ich. Bei dem kalten Wetter kein Vergnügen zu warten. Ich schaue auf die Uhr. Es ist 5 Min. vor
8 Uhr 30 und ich verrichte mein morgendliches Programm. O, schon eine Viertelstunde ist vergangen, ich muss das Fenster schließen. Doch nicht ohne vorher noch hinauszugucken. Die Frau ist weg.
Es klingelt. Es ist 20 vor 9 Uhr, für meine Hilfe noch ein bisschen früh. Wer will denn jetzt schon was von mir? Ich öffne und die Frau im pinkfarbenen Anorak steht vor mir. "Mein Gott, sind Sie schon vor 8 Uhr 30 unten gewesen?" Sie bejaht meine Frage und sofort bereue ich sie. Ohne sich auszupellen erklärt sie warum und ich erschrecke vor der lauten Stimme. Ich gehe rückwärts, denn ich will sie von der Korridortür weg haben. Sie kommt mir nach, fuchtelt mit den Armen und ihre durchdringende Stimme erschlägt mich fast.

In der Waldbühne benötigte sie kein Mikrofon und doch würde man sie verstehen. Zwar nicht jedes Wort, aber auch nur, weil ihr Deutsch miserabel ist.
Ich passe eine Pause ab, bitte sie den Anorak auszuziehen und sage wo die Putzeimer stehen. Zu den Putzeimern im Bad kommt sie nicht. Kaum hat sie ihre Garderobe angehangen, kommt sie auf mich zu und schreit mir mit ihrer harten, rauen Stimme zu, dass ich eine nette Frau bin und sie sich freut, dass sie bei mir putzen darf.
Ja, wenn sie doch bloß anfangen möchte!

Genervt setze ich mich an den Computer und schreibe, einfach so, ohne zu denken. Ich höre, dass sie werkelt. Leider nicht lange. Sie hält es höchstens 10 Minuten aus ohne zu reden. Reden ist nicht das richtige Wort. Sie schreit, die Stimme überschlägt sich und ist dadurch noch schwerer verständlich. Ich sehe, dass ihre Halsschlagadern bedrohlich anschwellen. Ich habe Angst sie fällt um. Mich würde nicht wundern, wenn die Polizei plötzlich klingeln würde. Besorgte Nachbarn müssen an einen Überfall oder eine ausartende Streitigkeit denken.

Sie spricht von ihren Söhnen hier in Deutschland und den Schwiegertöchtern. Wie gemein die sind. Ihr Bruder in Argentinien ist auch schlecht und gemein.
Nur ihr verstorbener Mann, obwohl er ein Spieler war und ihr einen Schuldenberg von 45.000 DM hinterlassen hat, war ein sehr guter Mensch. Sie haben sich geliebt. Er ist jetzt 8 Jahre tot. Tote waren immer gute Menschen.
Alle Anderen nutzen sie nur aus.
Ihrem Sohn hat sie 40.000DM geliehen und nichts wird sie davon wiederbekommen.
Wie denn, was denn? 45.000 DM Schulden, wie kann sie ihrem Sohn dann 40.000 DM borgen?
Was ist Dichtung, was Wahrheit!
Der Staubsauger, dessen Geräusch mich oft stört, klingt heute wie sanfte Musik.

Beschwingt gehe ich in die Küche um mir ein Glas Wasser zu holen. Ach, ich hätte lieber verdursten sollen. Sie steht wieder vor mir, heftig gestikulierend mit angeschwollenen Halsschlagadern. Das Gesicht ist rot und zornig, die Augen sind groß aufgerissen. Ich denke an einen Bullterrier und weiche zurück, aber sie folgt mir. Sie wird doch nicht beißen!
Mit dem Rücken am Computerstuhl kann nicht weiter zurück. Ich möchte HILFE schreien, aber ich habe keinen Mut dazu. Wie soll ich das 3 Stunden lang ertragen?

Sie meint es so gut, aber kaum jemand kümmert sich um sie, keiner lädt sie ein. Das kann ich verstehen, denke ich still für mich.
Endlich, die Zeit ist um und ich habe meine Ruhe. Denke ich.
Nein, jetzt setzt sie sich in den Sessel und ich erfahre weitere Familiengeschichten. Nach einer Stunde, ich sehe sicher ganz elend aus, da zieht sie sich an. Zum Abschied drückt sie mir beide Hände.
"Danke, sie so nett. Ich Telefon. Gut, wenn man kann sprechen."
Ich lächle matt als ich die Tür hinter ihr schließe.

 

Die Hecke   
Lutz und Simone sind glücklich. Sie leben in der Siedlung seit einigen Jahren und können sich nicht mehr vorstellen inmitten der Stadt zu wohnen. Wenn sie im Sommer im Garten sitzen, umgibt sie eine hohe Hecke. Sie haben nichts zu verbergen, aber sie wollen unbeobachtet sein.
Endlich ist das Wetter wieder so, dass sie in ihrem geliebten Garten sein können. Lutz hat den Rasen gemäht und Simone Unkraut gezupft. Es sieht aus, wie in der guten Stube. Nun können sie sich auf der Liege ausstrecken. Da zischelt Lutz leise: "Simone, guck mal, das Truthuhn guckt schon mit dem Fernglas zu uns rüber." "Lutz, Du sollst nicht immer Truthuhn sagen. Die heißt Gudrun" erwidert Simone ebenso leise.
"Ja, aber siehste nicht das Fernglas? Wir müssen die Hecke noch höher wachsen lassen. Fehlt bloß noch, dass die ihren Kopf mit Laub tarnt. Das traue ich ihr zu." Bei der Vorstellung muss Simone doch lachen. Sie antwortet nicht. Sie will sich ja nicht ringsherum zuwachsen lassen. Aber er hatte Recht. Sie sah das Fernglas auch. Vielleicht ist ihr Meerschweinchen oder ihre Schildkröte weggelaufen. Nach Lutz schaut sie ganz bestimmt nicht und es ist auch sonst nichts bei ihnen zu sehen.
Lutz guckt immer wieder, natürlich völlig unauffällig zur Hecke, ob da nicht irgendwo der Kopf von Truthuhn auftaucht. Wenn, dann hat sie sich gut getarnt, denn er sieht nichts. Er beschließt, sich auch ein Fernglas zu kaufen und dann die Beobachterin zu beobachten. Was die Truthuhn kann, kann er auch. Nur jetzt sagt er es Simone noch nicht. Die ist nur wieder dagegen.
Wenig später begegnen sich Lutz und Truthuhn, o pardon, Gudrun auf dem Weg und sie wechseln ein freundliches "Hallo".

 

 
   

 

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