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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 5

Schrift zu klein? In der Fusszeile grössere Schriftart einstellen!Humoriges!
Technik
Eine merkwürdige Geschichte
Der Held
Rätsel
Der Rabe und der Fuchs
Der überspringende Funke
Neu - alles neu
Im Hausbriefkasten

 

Technik
Mit zunehmendem Alter hat man weniger zu sagen.
Es hat sich jetzt alles umgekehrt, die Kinder sagen einem wo es langgeht.
Kritik an der Kleidung oder Frisur ist normal, eigentlich auch gut und schön.
Aber die Technik ist ein besonderer Bereich.
Alle jungen Menschen haben ein Handy, ebenso einen Computer.
Furchtbar, - im Auto, auf dem Rad, beim Fußgänger, in Bus und Bahn, klingelt oder piept es.
Nun aber ist es doch geschehen, die lieben Kinder verstanden es, die alte Frau zu begeistern. Nicht nur für ein Handy, sondern auch für einen Computer.
Ist denn das normal? Bald 80, und nun so verrückt! Aber es hat Vorteile.
Ursache war eine Verabredung mit ihrer Nichte. Sie war pingelig, was ihre Pünktlichkeit betraf, und früher für ihre Tochter manchmal mehr als unangenehm. Nun saß sie im Bus fest, der in einem ungewöhnlichen Stau stand. Die Nichte begann sich Sorgen zu machen.- Da kann nur etwas passiert sein. Sicher liegt sie hilflos in ihrer Wohnung und kann nicht an das läutende Telefon gehen.
Auch die alte Frau war unruhig, wenn sie auch im Vorteil war, weil sie wußte was los war. Mit einer halben Stunde Verspätung traf sie endlich ein.
--Tant'chen, Mutti, Oma, ein Handy muß her!
Alle hatten auf sie eingeredet und Erfolg. Sie sollte es auch ja immer bei sich haben. Sie wollte nicht beim Kauf dabeisein und das Ding sollte auch nicht so viele Knöpfe haben. Wie man so schön treffend sagt, idiotensicher, besser altersgerecht.
Sie hatte auch schon einmal erfolgreich aufgeladen, und nun, es war noch dunkel, fiel ihr ein, nach dem Handy zu sehen. Vorbei war es mit der Ruhe sich noch einmal auf die andere Seite zu legen.
Tatsächlich, die Batterie zeigte an, daß sie Hunger hatte. Drei Stunden hatte sie noch Zeit, griff nach dem Ladegerät um es anzuschließen, was aber aus unerklärlichem Grund nicht ging. Genau untersuchte sie die Buchse im Handy und den Stöpsel.
Da stimmte etwas nicht, ein Stift war in der Mitte der Buchse und der Stöpsel war zu und abgerundet. Aber es hatte doch schon mal geklappt!? Der Stift mußte weg und sie suchte nach einem geeigneten Werkzeug. Der Stift ließ sich lediglich zu Seite biegen, allerdings nach einiger Anstrengung. Jetzt mußte es gehen, wo war der Stöpsel? Da hing das ganze Gestripp und - es ging wieder nicht.
Du lieber Himmel, die Zeit verging schneller als gewöhnlich. Was tun? Sie war hilflos und stand nachdenklich um sich schauend.
Ihr Blick blieb an dem leeren Karton hängen, mit der Aufschrift Ladegerät für Wannenlift --. Es dauerte eine Weile bis das Gelesene von ihrem Hirn erfaßt wurde.
Wannenlift? Sie wollte doch das Handy aufladen! Nun sah sie den richtigen Karton, und es galt sich zu beeilen, denn sie mußte weggehen.
Aber!-!- Nun fehlte der zur Seite gedrückte Stift. Hier mußte der Stöpsel des Ladegerätes offen sein und auf den Stift der Buchse gedrückt werden.
Ans Telefon: Hallo Jonny? --- Was, erst am Freitag? Na, O.K. ---
Sie schaltete das Ding aus und war auf sich selbst wütend.
Der Computer? Wieviel ist da schon verschwunden, ohne wieder aufzutauchen.
Alter schützt vor Torheit nicht, wie wahr!!!

 

Eine merkwürdige Geschichte   
Aus dem Vogtland habe ich mir eine Maus mitgebracht. Sie ist 20cm groß, hat rote Ohren und der Schambereich ist mit einer roten Hose bedeckt. Sie hat ihren Platz neben dem Fernseher und schaut mich an.
Ja, träume ich? Sie hat mir eben zugezwinkert. Ich habe doch keinen Alkohol getrunken!
Heute morgen, da waren auf dem Teppich kleine schwarze Krümel. Quatsch, die Maus lebt doch nicht. Oder? Ich hole sie mir und betrachte sie ganz genau. Die Fußsohlen sind sauber und die Hose auch.
Gestern, war ich auf dem Balkon und habe die Geranien umgepflanzt. Die schwarzen Krümel, das wird Blumenerde gewesen sein.
Ich muß sie beobachten, die Maus. Sie ist mir nicht geheuer.
Da. Sie hat mit den Ohren gewackelt. Ich habe es genau gesehen. Ich schaue nicht mehr auf das Fernsehprogramm, nur auf die Maus. Also, wenn sie lebt, muß ich ihr einen Namen geben. Ach was. Sie heißt Maus.
Ich komme in die Küche um zu frühstücken. Der Deckel von der Butter ist verrutscht und der Käse -, fehlt da nicht eine kleine Ecke? Schnell gehe ich in's Zimmer. Die Maus ist aber an ihrem Platz. Doch sie grinst. Der Mund ist sonst nicht so geschwungen.
"Maus" sage ich "was treibst du mit mir?" Ich bin ihr ganz nahe. Was hängt denn da aus der Hose? Etwas langes Weißes, beschrieben. Ich hole die Lupe. Es ist polnisch oder tschechisch. Die Tschechei ist dem Vogtland nahe. Ich kann aber weder die eine noch die andere Sprache. Eine 30 erkenne ich. Ist das eine Waschanleitung? Warum habe ich die vorher nicht gesehen?
O Maus, was ist mit dir los? Das Etikett schneide ich ab. Hat sie leise gepiepst? Hat ihr das etwa weh getan? Da, sie hat die Stirn in Falten gelegt. Ich laufe zum Verbandskasten und klebe ein kleines Pflaster auf die Stelle. Vorsichtshalber, denn es könnte ja bluten und weil die Hose rot ist sehe ich das nicht.
Maus kommt wieder auf ihren Platz. Sie guckt so komisch. Wenn, - wenn sie doch ein wenig lebendig ist, was denkt sie dann wohl von mir? Die spinnt! Oder, die ist lieb! Oder würde sie mir gerne helfen wollen?
Vielleicht komme ich noch dahinter.

 

Der Held   
Frech wie Oskar hüpfte der kleine Spatz durch die Perlschnüre hindurch.
Verwundert hielt er inne, denn er wußte nicht wo er war. Wo waren die Blumen, die Bäume, die er eben noch gesehen hatte? Die Sonne, der Wind, alles war fort!
Eine hohe Gestalt, die plötzlich quietschte, erschreckte ihn. Er schlug nervös mit den Flügeln, wußte aber nicht wohin er flüchten sollte.
Wie war er denn nur hierher gekommen? Wo war seine Clique mit der er eben noch den Rasen durchforstete? Ihm war, als hörte er sie von Ferne piepsen.
Die Gestalt, eine Frau, wich zurück. Hatte die Angst vor ihm? Wie gut, dass sie nicht wußte, daß er noch mehr Angst vor ihr hatte. Er flog auf die Gardinenstange, während die Frau ihre Hände schützend auf ihren Kopf legte.Ach, die hatte wohl den Film von Hitchcock, - die Vögel gesehen. Sah er denn so furchterregend aus? Er plusterte sich noch ein bisschen auf, das konnte ja nicht schaden.
Da sah er Blumen. Ein paar Flügelschläge nur, und er setzte sich auf ihnen nieder. Aber das piekte so komisch und sie dufteten auch nicht. Na klar, künstlich. Junge, junge, da war er ganz schön reingefallen. Und nun? Die Frau wurde fast hysterisch und rief, wahrscheinlich brauchte sie Hilfe.
Da wurden auch schon die Perlschnüre auseinander gerissen und ein Mann, wie ein Schrank, füllte den Türrahmen aus. "Was ist denn los"? Die Frau zeigte hoch, und es sah fast aus als zittere sie ein wenig. Wenn er jetzt losflog, konnte er vielleicht ins Freie. Doch da ließ der Mann die Schnüre los und holte eine Fliegenklatsche. Ja, war der denn verrückt? Er war doch keine Fliege! Piep, piep. Aber sie verstanden die Vogelsprache nicht und er nicht die der Menschen.
Aber nun begriff er, schließlich war er ein Berliner Spatz und nicht doof.
Der Mann hielt die Perlschnüre weit auseinander und die Frau wedelte mit der Klatsche nach ihm. Das war die Gelegenheit. Er schlug kurz mit den Flügeln, dann visierte er den Türrahmen an und flog los.
Draußen waren noch einige seiner Clique und er war der Held. Er erzählte von der Angst und dem Schrecken, den er verbreitet hatte. Außerdem war er auch fotografiert worden und morgen sein Bild in der Zeitung, oder heute im Fernsehen.
Am Abend saß er mit einigen Spatzen auf einem Balken der Terrasse und schaute Fernsehen, aber da war nur Mord und Totschlag zu sehen. Macht nischt! Für seine Kumpel war er der Größte, daß er auch fürchterliche Angst gehabt hatte behielt er für sich.

 

Rätsel   
Ich sah ihn zum erstenmal in einem Genesungsheim für Verwundete.
Es war ein Moment des Staunens. Ich sah ihn lange an und war fasziniert.
Jahre waren vergangen als ich ihn wiedersah. Von seiner Faszination hatte er nichts verloren.
Er war, ganz im Gegenteil, begehrenswerter als zuvor.
Ich wollte ihn und war glücklich und stolz als ich ihn haben durfte.
Ich sah ihn an und in ihn hinein, er wurde mir vertraut.
Ich bekam von ihm was ich wollte, konnte lachen oder weinen.
Nun hatte ich ihn so viele Jahre, ja Jahrzehnte, und er wurde langweilig.
Er verlor seine Anziehungskraft, und wie ich meine, mit Recht.
Er bot wenig Neues, und die ständigen Wiederholungen hatte ich satt.
Es entstand eine Haßliebe, bevor er mir gänzlich gleichgültig wurde.
Er ist noch immer da, aber ich brauche ihn nicht mehr.
Dieses Gefühl teile ich mit vielen Menschen, bei denen auch - - -
der Fernseher immer öfter ausgeschaltet bleibt!

 

Der Rabe und der Fuchs   
Der Fuchs schlich durch das Unterholz.

Auf dem Ast eines Baumes saß der Rabe und beobachtete ihn. Er mochte den Fuchs nicht leiden, weil er listig und auf seinen Vorteil bedacht war. Er überlegte, ob er sich auf ihn stürzen und mit seinem spitzen, starken Schnabel traktieren solle.

Da blickte der Fuchs nach oben. Hallo Herr Rabe. Kommen sie doch zu einem kleinen Plausch zu mir.

Du hinterhältiger Geselle, dachte der Rabe, hast wohl Appetit auf mich..

Laut aber sagte er. Sehr freundlich, aber ich kann leider nicht fliegen. Habe mir kürzlich bei einem missglückten Start das Gefieder verstaucht.

Der Fuchs konnte seinen Unmut kaum verbergen. Das wäre ein schöner Happen gewesen! Enttäuscht schlich er weiter.

Der Rabe aber lachte leise und flog ihm unbemerkt nach.

Plötzlich machte es klick. Der Fuchs war in eine Falle geraten. Die Freude des Raben war kurz.
Peng. Durch einen Schuß fiel er zu Boden.

 

Der überspringende Funke   
Die schwarze Fee sitzt starr und stumm neben dem getigerten Kater Fritz. Sie würde sehr gerne ihre Pfote auf seine legen, aber er gibt ihr keine Möglichkeit dazu. Stur geradeaussehend sitzt er auf einem Holzscheit nahe dem Kamin.

Kater Fritz genießt die wohlige Wärme und überlegt wie er Fee näher kommen kann. Aus seinem seitlichen Augenwinkel beobachtet er ihre Bewegungen, die so geschmeidig und elegant sind.
Wenn sie sich ihm doch nur mal zuwenden würde. Sicher ist sie sehr eingebildet, denn sie ist so schön. Bestimmt hat sie mehr als einen Verehrer. Er räuspert sich, nur um die Stille zu durchbrechen. Mein Gott, es muss doch eine Möglichkeit geben mit ihr in Kontakt zu kommen! Ihn faszinieren ihre grünen, klaren Augen und das seidig glänzende schwarze Fell.

Fee wagt kaum zu atmen. Wie kann sie ihn nur auf sich aufmerksam machen? Am liebsten würde sie schnurren, aber bloß nicht. Was soll er von ihr denken. Einfach mal leise miauen? Nein, auch nicht. Dann denkt er noch ich bin leicht zu haben. So leckt sie mit Hingabe ihr weiches Fell, damit es noch seidiger glänzt.

Plötzlich sprüht Glut aus dem Kamin, direkt in Kater Fritz Fell. Blitzschnell springt Fee zu ihm und leckt die Glut mit ihrer feinen Zunge aus.

Dankbar und glücklich reibt Fritz seinen Kopf an dem von Fee. Es bedurfte erst eines kleinen Unglücks um sich nahe zu kommen. Eng aneinander geschmiegt ziehen sie sich zurück.

 

Neu - alles neu   
"Prosit Neujahr" riefen sich die Leute zu, doch war es wegen der lauten Knallerei nicht zu hören. Es war Neumond und Herr Neumann, von der Neuralgie geplagt, fasste den Plan für einen Neuanfang.

Er wollte weg von Neustadt. Nicht etwa nur nach Berlin Neukölln, sondern weit weg, nach Neuseeland. Von dort hatte er neulich einen Neujahrsgruß von seiner Brieffreundin bekommen. Sie sollte die Neue in seinem Leben sein.

Seine neunmalkluge Tochter hatte ihm abgeraten, in seinem Alter Neuland zu betreten. Aber die, mit ihrer Neurose, hatte mit sich selbst zu tun. Neuerdings hatte sie sich sogar einen Neufundländer angeschafft, zu ihrem Schutz, so sagte sie.
Seine Schwester in Neu - Brandenburg verhielt sich neutral. Sie würde er vermissen.

Er hatte seine kleine Neubauwohnung satt, war einfach neugierig auf etwas ganz Neues. Er würde seinen Neuwagen verkaufen. Allerdings würde er den Neuwert nicht bekommen. Das wusste er wohl, denn er war kein Neuling auf dem Gebiet. Jedenfalls würde er alles was möglich ist zu Geld machen.
Er war solide eingerichtet, hatte keine neumodischen, extravaganten Möbel. Ein paar Euro würden sie schon bringen.

Er schaute auf das Bild seiner Flamme, die der Schauspielerin Christine Neubauer sehr ähnlich sah, und sein Herz schlug ein paar Takte schneller.

Er wird den Neubeginn wagen.

Neuseeland ich komme!

 

Im Hausbriefkasten   
"Hier stinkt es" sagte der Mahnbrief und rümpfte seine platte Nase.
Das Wurfblatt von der Drospa Filiale sah sich erschrocken um. Nein, von ihm ging der Geruch nicht aus und es streckte sich beruhigt wieder aus.

Es war recht eng in dem kleinen Fach des Hausbriefkastens.

Der kleine zart fliederfarbene Brief versuchte, sich an die Seite zu drücken. Er hatte auch bemerkt, dass es hier nicht gut riecht, im Gegensatz zu ihm, der einen feinen Duft verströmte. Er war ein Liebesbrief und freute sich schon auf den Moment, wo die Empfängerin ihn öffnen und vor Seligkeit fest an sich drücken würde.

Der Mahnbrief hatte Schuldgefühle, aber nicht wegen des Geruchs. Er roch nicht, er war nur sehr unbeliebt. Der Absender, mit seinem stereotypen Gesichtsausdruck, hatte sogar ihn beeindruckt. Er empfand Mitleid mit der Empfängerin. Aber es stank wirklich sehr unangenehm und er hatte seinem Unmut Luft machen müssen.

Das gepolsterte Briefpäckchen lag ganz still. Es wusste, dass der Geruch von ihm ausging. Doch was konnte es dafür, dass seine Polsterung nichts genutzt hatte. Es war beim Stempeln geplatzt und sein Inhalt, 50g Räucherlachs, rochen wirklich alles andere als gut.

Der Liebesbrief nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte leise:" Bitte, kommen Sie mir nicht zu nahe. Sie stinken wirklich und bitte, nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel."

Das Drospa Wurfblatt, aufgeschreckt, zischelte ebenso leise: "Was für eine unangenehme Wahrheit. Hätten Sie die nicht für sich behalten können?"

Ein Schlüssel öffnete den Hausbriefkasten und beendete das Gespräch.

 

 
   

 

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