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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 2

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Freiheitsberaubung
Hilfe Ameisen
Kein dummes Huhn
Waschlappen
Die Pille
Einladung zum Essen
Ein kurzer Traum

 

Freiheitsberaubung
Ich, als Angeklagte, werde aufgefordert den Tathergang zu beschreiben.
Um Wäsche zu entnehmen nahm ich den Deckel von der Wäschetruhe und legte ihn zur Seite. In dem Augenblick taumelte mir eine Wespe entgegen. Ich erschrak. Wie ist sie dort hineingekommen und wie lange war sie dort gefangen?
Die Truhe steht direkt unter dem Fenster, welches weit geöffnet war.
Die Wespe war sichtlich benommen, sodass ich mit einem Tuch nachhalf und sie ins Freie wedelte.
Ich bin mir nicht bewusst das Tierchen eingesperrt zu haben. Es muss selbst eine Ritze gefunden haben durch die es in die Truhe gelang, und nicht mehr den Weg zurückfand. Für den von mir nicht fest aufgelegten Deckel kann man mich nicht zur Verantwortung ziehen. Ich bin unschuldig.
Ich hoffe, dass sich dieses kleine Insekt von der Gefangenschaft schnell erholt und ihm ein seelischer Defekt erspart bleibt.

 

Hilfe Ameisen   
Warum spielt denn dieser Mensch verrückt, wegen einer kleinen Ameise, oder auch zwei? Wir sind doch so winzig, und müssen immer Angst haben, dass diese Menschen uns mit ihren großen Tretern töten !
Wir sind auch nicht giftig, müssen uns nur manchmal wehren, wenn sich ein nackter Po auf unseren so mühsam erarbeiteten Ameisenhaufen setzt. Da geben wir dann etwas Säure von uns, das ist nicht mal so schlimm, als hätten sie sich in Brennesseln gesetzt. Die Menschen wollen doch so intelligente Wesen sein.
Denken die vielleicht wir könnten oder wollten sie anknabbern ? Nein danke, kein Interesse. Wäre überhaupt nicht unser Geschmack!
Wir ernähren uns vegetarisch, von ganz kleinem Getier abgesehen.
Die Menschen sollten mal überlegen, was wir für einen Schrecken bekommen, wenn ein solcher Riese auftaucht, oder auch nur sein Schatten?!
Die Barbaren latschen einfach auf uns rauf und schonen uns in keiner Weise. Vielleicht gibt es sogar schon Feinschmecker- Restaurants die uns als Delikatesse anbieten.
Die Menschen sind so verrückt, denen trauen wir alles zu.
Man kann sich doch mal verirren und landet dann an einem Bein oder Arm.
Kann sich ein Mensch vorstellen welche Ängste wir dann ausstehen?
Mit Phantasie kann sich solch ein Mensch sicher vorstellen er wäre plötzlich mutterseelenallein auf dem Matterhorn. Na, ehrlich, hätte der nicht auch große Angst?

 

Kein dummes Huhn   
Das Huhn Berta ist total erschöpft vom Eier legen.
Ostern steht vor der Tür, und es werden Rekordleistungen erwartet. Voller Hoffnung wartet Berta darauf, dass mal ein farbiges Ei dabei ist. Aber nein, immer nur dreckig weiß und bräunlich.
Was hat eigentlich der Hase damit zu tun? Der hoppelt fröhlich herum und mümmelt an dem frischen Grün. Den habe ich noch nie mit einer Kiepe gesehen, die dann auch noch mit bunten Eiern gefüllt war! Aber der soll es sein, der zur Freude der Kinder, zu Ostern die Eier bringt.
Noch nie habe ich gesehen, dass ein Hase ein Ei verliert! Mehr als kleine Kekelchen kommen da doch nicht heraus!
Ich glaube ja eher, dass die Menschen ihre Hand im Spiel haben.
Kürzlich hörte ich, dass der Bauer sich beklagte, weil immer mehr in den Fabriken Hasen, Küken und Eier aus feinster Schokolade hergestellt werden. Buntes Stanniolpapier schmückt sie noch obendrein.
Berta sagte zu sich: "Ich streike". Ich genieße den nahenden Frühling, und den Duft der in der Luft liegt. Soll sich der Hase, mit seinen beiden vorstehenden Zähnen, doch aufblähen und sich Osterhase nennen. Ich habe besseres zu tun." "Hallo, liebster Hahn, wo bist du?"

 

Waschlappen   
Er hing an einer kleinen Schlaufe am Haken und träumte von einer wohlduftenden Seife.
Plötzlich wurde er weggerissen, und kaltes Wasser ließ ihn erschauern. Doch es erwärmte sich langsam und er war voller Vorfreude auf den Duft. Was denn, was denn - schon rubbelte man ihn an der Haut, einfach so. Wenn er doch hätte rufen können "hallo, die Seife!" Doch da wurde er schon ausgespült und schmerzhaft gewrungen.
Jede Faser tat ihm weh, als er nun auch noch hören musste: "Mistlappen, wo ist die Schlaufe?" Ach, das war der heftige Schmerz, man hatte sie abgerissen.
Er wurde gegen die Kacheln geklatscht, und erneut spürte er einen bohrenden Schmerz. Man hatte ihn einfach aufgepiekt.
Nass, schwer und ohne Wohlgeruch hing er nun da.
Er litt!
Doch wer macht sich schon Gedanken über einen Waschlappen.
Er konnte gerade noch "Ferkel" seufzen, bevor er ohnmächtig wurde.

 

Die Pille   
Sie war nicht sehr glücklich. Seit Kurzem wußte sie, dass sie ein Kind bekommen würde.
Wie konnte das nur passieren?
Sie liebte Josef, den Pfarrer des kleinen Dorfes in dem sie lebte, sehr. Sie wurde wieder geliebt und sie wußten, dass sie eine gemeinsame Zukunft haben werden.
Wenn es nach Josef ginge, würden sie schon bald heiraten und sie würde im Pfarrhaus an seiner Seite für die Gemeinde da sein. Maria aber wollte ihren Beruf als Hebamme, den sie sehr liebte, ausüben.
Sie hatte regelmäßig die Pille genommen, wie konnte das nur geschehen?
Es sollte wohl so sein.
Wunderbar war, dass sich Beide nun auf das, was in ihrem Bauch wuchs, freuten.
Pünktlich meldete sich der kleine Erdenbürger an. Josef war während der ganzen Zeit bei ihr und erlebte den ersten Schrei. Das Neugeborene hatte die Augen fest zugekniffen, ebenso die kleinen Fäustchen.
Glücklich und neugierig bestaunten sie die kleinen Füßchen mit den winzigen Zehen.
Vorsichtig nahmen sie die kleinen Fäustchen um sie zu öffnen.
Sie glaubten ihren Augen nicht trauen zu können. Das rechte Fäustchen umklammerte eine Pille. DIE Pille.

 

Einladung zum Essen   
Sie begegneten sich zufällig.
Er bediente an der kleinen Strandbar. Er liebte das weite Meer und den Geruch den es verströmte.
Sie war ein Urlaubsgast ohne gehobene Ansprüche, doch sehr romantisch.

Täglich ging sie zu ihm. Freundlich lächelnd bestellte sie ihren kleinen Imbiss. Er war zu allen Gästen höflich und freundlich. Jeder gewann den Eindruck, er sei etwas ganz Besonderes.
Doch als er sie zum erstenmal sah, geschah etwas mit ihm. Jeden Tag hatte er eine kleine Aufmerksamkeit für sie. Mal war es ein Stein in Form eines Herzens, was er neben ihren Teller legte, mal eine besonders schöne Muschel. Es dauerte bis er sich traute. Er lief rot an als er sie fragte, ob sie ihm die Freude machen würde mit ihm am Abend zu essen.
Ihre Augen strahlten ihn an. Endlich ging ihr Wunsch doch noch in Erfüllung. In 10 Tagen musste sie abreisen.

Es sollte gleich der heutige Abend sein. Früher als gewöhnlich schloss er die kleine Strandbar, denn er wollte ihr etwas Besonderes bieten. Trotzdem blieb nur Zeit zum Improvisieren.
Kraftvoll steckte er vier Stangen in den Sand, von denen zwei vom Wasser umspielt wurden. Oben befestigte er eine Matte, die dem Ganzen Schutz verlieh. An den Stangen hängte er Windlichter auf. Er trug einen Tisch unter die Matte, den er mit einer farbigen Decke regelrecht verpackte und mit einem breiten Band umwickelte. Links und rechts stellte er Windlichter auf, die den Weg markierten.

Sie kam. Leicht bekleidet und in ihrer Natürlichkeit zum Anbeißen schön schritt sie auf ihn zu. Nach der noch schüchternen Begrüßung legte er den vorbereiteten Fisch auf den Grill und etwas Weißbrot.
Sie standen barfüßig an dem Tisch und die leichten Meereswellen umspielten ihre nackten Füße. Er hatte vor Aufregung nicht an eine Sitzgelegenheit gedacht. Die flackernden Lichter, das Meer, der leichte Wein, das alles stimmte beide glücklich.
Sie spürten, dass dieser Abend etwas Besonderes ist und ganz bestimmt nicht ihr letzter.

Sie sahen sich nicht erst im nächsten Urlaub wieder.

 

Ein kurzer Traum   
Ich sitze auf einer Bank in der warmen Sonne. Es war noch nicht richtig Winter und doch riecht es schon nach Frühling.

Das Essen beim Italiener war sehr gut und beinahe zu reichlich. Ich sehne mich nach meinem Sofa, nach dem alltäglichen Entspannen nach dem Essen. Die Vögel zwitschern, ganz entfernt ist sanfte Musik zu hören und ich lehne mich zurück. Die Augenlider sind schwer, ich gebe es auf sie offen halten zu wollen.

Venedig! Gondeln, schöne Menschen in traumhaften Kostümen mit Masken. Keine hastigen Bewegungen, wie in Zeitlupe geschieht alles, mit Grazie und Anmut. Wirklichkeitsfremd.

Ein Mann im Kostüm eines anderen Jahrhunderts kommt auf mich zu. Die Maske verdeckt sein Gesicht, aber dahinter sehe ich seine Augen funkeln. Ein Prinz? Langsam, mit viel Grandezza, streckt er mir seine behandschuhte Hand entgegen. Ich lege meine Hand, die auch in einem feinen, engen Handschuh steckt, in die seine. Mit leichtem Schwung erhebe ich mich und mein großer, breitkrempiger Hut wippt leicht.
Seine Verneigung ist formvollendet und ich folge ihm leichtfüßig. Mein weiter Reifrock schleift über den Rasen.
Ich befinde mich in einem Rausch, bin jung und schön. Mein Prinz bleibt stehen und wendet sich mir langsam zu. Wir schauen uns tief in die Augen. Seine vollen Lippen nähern sich den meinen ohne sie zu berühren. Dann hebt er die Hand wie zu einem Gruß und entschwindet.
Ich bleibe stehen und sehe ihm nach. Ohne Trauer, ohne Enttäuschung.

Ich erwache auf der Parkbank und lächle, ein Lächeln das sich noch vertieft.

Ich war glücklich, einen kurzen Traum lang glücklich.

 

 
   

 

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