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Hennis Kurzgeschichten-Ecke

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Kurzgeschichten 1

Schrift zu klein? In der Fusszeile grössere Schriftart einstellen!Humoriges!
Ein Monolog
So ist das Leben
Kettenreaktion
Die Eintagsfliege
Angst vor Blähungen
Die Kusshaltestelle
Suppe lügt nicht
Aprikosen

 

Ein Monolog
Ach, ich habe sie ja lange nicht gesehen! Wie geht es Ihnen denn? Na, ich bin ja im Stress, ganz furchtbar. Kennen sie das auch? Ich kann schon nicht mehr schlafen, und kein Arzt kann mir helfen. Ach, und das Wetter, das hält man ja nicht aus! Mein Mann hat 'ne Sommergrippe, was soll das erst im Winter werden?! Mich hat er ja schon angesteckt. Kommen sie man nicht so dicht 'ran, sonst geht es ihnen wie mir, und sie können auch kaum sprechen. Und die Schwäche, lange kann ich nicht auf den Beinen sein. Jetzt muss ich zum Arzt, hoffentlich komme ich gleich 'ran. Die Menschen sind ja heute alle so egoistisch. Da kann man noch so krank sein, niemand nimmt Rücksicht, alle denken nur an sich. Ich bin ja noch vom alten Schlag und helfe wo ich nur kann. Na sie wissen ja, sie kennen mich ja! Na, nun muss ich aber gehen, sonst macht die Praxis zu. Also, alles Gute und bleiben sie gesund!

 

So ist das Leben   
Ich liege in einem Korb inmitten meiner Artgenossen. Es ist dunkel.
Ich bin schläfrig, obwohl ich jung bin und voller Lebenssaft.
Es wird hell. Eine Hand greift in den Korb, entnimmt so viel sie halten kann.
Ich rutsche durch die Finger, da ich so klein bin.
Ich bleibe zurück, aber nicht alleine.
Mit der Schläfrigkeit ist es vorbei, ich will hier raus.
Wo komme ich hin, was wird sein, die Neugier plagt mich.

Der nächste Tag macht mich traurig, denn wieder nimmt mich diese Hand nicht mit.
Ich fühle mich elend. Vor Gram werde ich faltig und bekomme kleine Warzen.
Es wird hell, und da ist sie wieder diese Hand. O Jubel, sie ergreift mich!
Autsch – sie hat mich fallen lassen. Ich bin ganz alleine im Korb. Warum?
Es ist still. Hätte ich noch die freundliche Nachbarin. Sie war groß und rund.
Eigentlich fand ich sie zu dick. Aber sie wurde genommen.
Sie hatte mir von unserer Herkunft erzählt.
Im 18.Jahrhundert hat uns ein Preußenkönig in Deutschland eingeführt. Wir waren etwas ganz Besonderes und wurden ein wichtiges Nahrungsmittel. –

Bin ich jetzt alt? Was wird aus mir. Angst und Ungewißheit nagen an mir.
Aus mir heraus sprießen dünne blasse Triebe, glasig und zerbrechlich.
Ich spüre, ich werde immer kleiner. Jede Falte tut mir weh!
Wie gut, dass mich keine meiner Artgenossen sehen kann. Knackig und prall war ich.

Was geschieht jetzt? Ich weiß ich bin essbar. Roh? Gekocht?
Während ich noch überlege, wird es wieder hell. Mit zwei spitzen Fingern werde ich gegriffen und lande in der Mülltüte.
Igitt, wie das hier riecht und klebt!

Das habe ich nicht verdient.

 

Kettenreaktion   
Sie stellte die Zuckerdose weg, und ganz gegen ihre Gewohnheit nahm sie den Löffel nicht heraus.
Einige Tage später, sie erwartete Besuch und hatte nicht mehr viel Zeit, nahm sie die Zuckerdose aus dem Schrank. Der Zucker rieselte auf den Teppich, denn der Löffel stieß oben an und fiel heraus. Weil sie ihn aufhalten wollte, schlug er gegen einen kleinen Kristall - Elefanten, wobei der Rüssel abbrach. Sie war hektisch und wütend, und knallte mit dem Kopf gegen die offenstehende Schranktür. Oh, tat das weh!
Blut war nicht zu sehen, aber es begann zu schwellen. Auf die Uhr schielend, trabte sie in die Küche um ein Messer aus dem Kasten zu holen. Wußte sie doch, dass man die Klinge auf die Beule drücken muss, um das Anschwellen zu stoppen. Soweit aber kam es nicht. Ein spitzes Messer fiel heraus und genau auf den Spann. Jetzt floß Blut! - Sie ließ Beule Beule sein, lief in's Badezimmer, wo Verbandszeug in einem Schub war. Sie sah die Blutspur die sie hinterließ und dachte an den nahenden Besuch. Nervös nestelte sie an dem Schub, der sich verkantete und auch prompt herausfiel und genau mit der Kante auf den anderen Fuß.
Der Kopf brummte, die Füße schmerzten und das Blut auf den weißen Vorlegern war nicht zu übersehen.
Bevor sie das Chaos beseitigen konnte, klingelte es.
Ziemlich derangiert stand die Besucherin vor der Tür.
"Entschuldige mein Aussehen, aber ich bin hingefallen. Kann ich mich erst mal im Bad frisch machen?"
Nie wieder ließ sie den Löffel in der Dose!!!

 

Die Eintagsfliege   
Die Eintagsfliege war vergnügt, obwohl sie von ihrem kurzen Leben wußte.
Sie war voller Übermut, denn es war ein schöner Tag.
Da sah sie einen Landeplatz der zum Ausruhen einlud. Rundherum wuchsen Gräser, oder Haare? So genau wußte sie es nicht, woher auch. Lernen lohnte sich nicht. Sie war ein fröhlicher Typ und wollte möglichst viel von dem bisschen Leben haben. Sie setzte zur Landung an und als sie gerade ihre kleinen zarten Beinchen putzen wollte, wurde sie von dannen gefegt. Was war denn da durch die Luft geflogen? Es war doch windstill! Egal, Hauptsache Glück gehabt.
Entwi - ischt, entwi - ischt summte sie fröhlich, ohne den schönen Landeplatz aus den Augen zu lassen.
Kaum hatte sie sich niedergelassen, traf sie ein Schlag und sie flog auf. Aua - aua - mein schönes linkes Hinterbein!
Während des Fluges schaute sie nun genauer hin und stellte fest, der schöne Platz war die Glatze eines Mannes.
Hatte der nach ihr geschlagen? Na warte, wollte der Kerl etwa ihr ohnehin kurzes Leben vorzeitig beenden? Den werde ich mal ein bisschen necken.
Sie sah, daß er am Tisch saß und Suppe löffelte.
Sie aß ja nichts, aber ärgern wollte sie ihn. Sie setzte sich abwechselnd auf seine Hand, krabbelte ums Ohr, rutschte die Nase hinunter, was ein tolles Vergnügen war, und noch so einiges mehr.
Sie trat extra kräftig auf, obwohl das verletzte Bein etwas schmerzte.
So spielte sie eine Weile mit dem Mann " krieg mich doch." Obwohl sie müde war spielte sie weiter. Es machte so großen Spaß, vor allem, weil sie immer die Schnellere war.
Sie setzte sich auf den Löffelstiel und tanzte am Tellerrand entlang. Da war sie sicher, denn der Mann konnte ja nicht in die Suppe schlagen.
Das allerdings war ihr letzter Gedanke, bevor sie abrutschte und in der Suppe versank.

 

Angst vor Blähungen   
Da steht es in der Zeitung. Andreas blättert vorsichtig. Der Wagen der U-Bahn ist gut besetzt und er will nicht, dass jemand sieht was er liest. Schließlich ist es ein heikles Thema.
Aber es geht nur um die Werbung für ein Medikament.
Andreas ist gerade erst 30Jahre alt und hat dieses hässliche Problem. Wenn er aus dem Haus muss oder Besuch bekommt, darf er keinen Kohl essen, keine Hülsenfrüchte und so manches andere auch nicht. Er muss sehr auf alles achten.
Neulich hatte er seinen geliebten Linseneintopf, natürlich mit viel Zwiebeln. Heute und morgen lag nichts an und er genoss jeden Löffel. Hm, hat das geschmeckt!
Gerade ist er mit dem Abwasch fertig, als es klingelt. Er öffnet und ein Strahlen zieht über sein Gesicht. "Elvira" sagt er zärtlich. "Du wolltest doch erst am Wochenende kommen." "Ich habe die Sehnsucht nach dir nicht ausgehalten" sagt sie schmeichelnd und steht auch schon im Zimmer. "Ich mache uns gleich Kaffee, oder willst du lieber Tee?" "Egal" haucht sie "bleib doch erst mal hier." Er setzt sich zu ihr und mit Entsetzen spürt er wie es in seinem Bauch rumpelt.
Er macht das Radio an, lauter als gewöhnlich. Mensch Elvira denkt er, was mache ich bloß. Noch kann er ohne all zuviel Mühe das Unangenehme aufhalten. Aber was, wenn er machtlos ist! Wie soll er das erklären. Kann er es überhaupt erklären. Jeder Muskel ist angespannt, die Angst vor der Peinlichkeit blockiert sein Denken. "Entschuldigung" sagt er, geht auf den Balkon und zieht die Tür hinter sich zu. Befreit kommt er ins Zimmer zurück. Elvira sieht ihn staunend an. "Komme ich ungelegen?" "Nein, nein. Ich habe nur leichtes Bauchweh." "O, du Ärmster. Aber das ist nicht so schlimm wie bei mir. Im Flugzeug gab es Kohlsuppe. Ich bitte also um Nachsicht, wenn ich schnell mal aufs Klo muss".

 

Die Kusshaltestelle   
Seit ...zig Jahren stieg ich hier aus. Im Sommer bei flimmernder Hitze und im Winter bei Schnee und klirrender Kälte.
Eines Tages, es war Herbst und die Tage schon recht kurz, zog ein junger Mann meine Aufmerksamkeit auf sich. Groß war er, schlank und dunkelhaarig. Eine gepflegte Erscheinung.
Unsere Blicke trafen sich anfangs zufällig. Später immer öfter und bewusst. Zu dem Blick kam ein leichtes Lächeln. Zaghaft begann es, vertiefte sich mit der Zeit.
Ich stieg immer zuerst aus. Mit einem leichten, fast unauffälligen Neigen des Kopfes trennten wir uns. Meine Gedanken ließen ihn aber nicht los. Wo steigt er aus? Wo wohnt er? Was tut er? Und ist er in festen Händen?
Würde er sich auch, nachdem ich ausstieg, mit mir beschäftigen?

Ich freute mich nicht mehr auf das Wochenende, ich sehnte den Montag herbei. Am Sonntag vor dem Einschlafen beschäftigte mich die bange Frage: Wird er wieder im Bus sein? Endlich Montag, endlich Feierabend. Um ja nicht diesen Bus zu verpassen rannte, bzw. trödelte ich.
Es war nun schon dunkel wenn ich einstieg und mein Herz schlug schneller wenn ich ihn entdeckte. Ich konnte sehen, dass er gespannt zur Tür blickte und entspannte wenn er mich sah. Ärgerlich war, wenn der Blickkontakt durch Mitfahrende verhindert wurde. Wenn ich zustieg versuchte ich immer einen Platz vis-a-vis zu ergattern, auch wenn ein Platz neben ihm frei war. Ich wollte ihn sehen.

So vergingen viele Wochen, es ging auf die Adventszeit zu.
Wir waren vertraut, obwohl wir noch kein Wort miteinander gesprochen hatten.
Es war der Freitag vor dem 1. Advent als er an meiner Haltestelle vor mir ausstieg, mich wortlos in seine Arme nahm und mich küsste. Wieder frei, nannte er mir seinen Namen, den ich aber nicht verstand. Ich war verwirrt, verunsichert, überrascht, aber auch selig. Wir hielten uns an den Händen bis wieder ein Bus kam der ihn mit fort nahm. Lange sah ich dem Bus nach und lief dann wie in Trance nach Hause.
Wie würde es weitergehen? War das etwa ein Abschied oder ist er am Montag wieder im Bus? Ja, er war! Nun stieg er immer an der Kusshaltestelle mit mir aus.

Zur Trauung fuhren wir nicht mit dem Bus, ließen uns aber danach vom Taxi an der Haltestelle absetzen. Wir küssten uns dort wie am ersten Abend.

 

Suppe lügt nicht   
Wanda und Emil sind ganz nette Leute. Sie machen jeden Spaß mit, lachen gern, manchmal auch ein bisschen zu viel und zu laut. Beim Essen sind sie die ersten die anfangen und die letzten die aufhören. Dabei, wenn sie erzählen, sind sie genügsam und brauchen nicht viel.

Es war Isoldes 70. Geburtstag. Wanda war eine der vier eingeladenen Damen. Beim Kaffeetrinken nahm sie die Schlagsahne nicht nur auf die Tortenstücke, auch der Kaffee bekam eine Sahnekrone.

Das Tablett mit den herrlichen Kanapees war eine Augenweide. Allerdings war im Magen kaum ein Plätzchen frei. Wanda stopfte in sich hinein, dass die anderen Drei Angst hatten sie könne platzen. Immer wieder langte sie zu. Zum Schluss allerdings aß sie nur das Obendrauf, das Brot blieb liegen. Als sie glaubte sie müsse sich rechtfertigen, meinte sie: "Wenn ich das Brot mitesse schaffe ich ja nichts" und lachte dazu etwas gequält.

Wanda lud ein, es war ihr 70. Geburtstag. Der Tisch war hübsch gedeckt und Emil hatte den Kaffee gemacht, den er auch gleich eingoss. Erstaunt schauten die Gäste auf den hellen Strahl der aus der Tülle der Kanne floss und verzichteten weise auf die Kaffeesahne. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf die Käsetorte und den Apfelkuchen. Alle begannen mit der Käsetorte, denn sie war der Favorit.
Erstaunt registrierte Wanda, dass keine der Damen ihr Stück aufaß. "Esst nur, esst. Ich habe beide Kuchen mit nur einem Ei gebacken. Wir leben sehr kalorienbewusst." Da hatten sie nun die Erklärung dafür, dass der Käsekuchen, sicher auch nur mit Magerquark bereitet, so krümelig, trocken war. Vielleicht hatte sie auch die Butter oder Margarine vergessen. Zwei der Damen teilten sich ein Stück Apfelkuchen und das war gut so. Emil, der Hausherr, sonst mit gutem Appetit gesegnet, aß auch nur je ein Stück. Das Abendessen kündigte sich an.
Emil trug fast feierlich eine Terrine zum Tisch. Es gibt Hühnersuppe verkündete er und füllte auch wieder, wie beim Kaffee, die Suppentassen voll. Zu sehen war nur etwas Reis und viel Suppengrün. Suppengrün ist ja auch gesund. Wanda brachte ein aufgeschnittenes Baguettebrot und bat zu Tisch. In die Suppentassen guckten mehr Augen rein als raus. "Die Fettschicht habe ich abgeschöpft" verkündete Wanda. "Wie gesagt, wegen der Kalorien."
Plötzlich lässt Emil den Löffel sinken und fragt laut lachend "Ist das alles? Wo ist denn das Fleisch geblieben?" "Da kannst Du Dich morgen drauf freuen" war die prompte Antwort.

Zum Abschied drückte Wanda jedem ein Kuchenpäckchen in die Hand, mit Grüßen an die Männer. Unterwegs kauften sie sich ½ Hähnchen.

 

Aprikosen   
Sie sind zum Anbeißen. Die Farbe so zart, aber leuchtend mit mattem Schimmer. In meiner Hand fühlt sie sich fast wie Samt an, sehr angenehm. Nicht so wie beim Pfirsich, der ist so pelzig. Allerdings das Hineinbeißen ist immer eine Überraschung. Ist sie mehlig oder saftig?
Wie die Aprikosen so vor mir liegen, ohne Makel, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Aber, wie schon gesagt, wie sind sie innen?

Da fällt mir das junge Mädchen ein, neulich in der U-Bahn. Ebenmäßig schön das Gesicht. Arisch, hätte früher mein Rektor gesagt. Die Stirn, die Nase, Mund und Kinn, alle drei Partien das gleiche Maß. Sie war gut gekleidet und dezent geschminkt. Immer wieder schaute ich hin, voller Bewunderung.

Nach einem Halt der Bahn stieg auch ein junges Mädchen ein und strebte auf die Schöne zu. "Mensch Rita!" hörte ich sie sagen. "Toll" sagte die Schöne, "Du och bei Wolle uff de Partie?"
Ich war schockiert. Bei dem breiten Lachen wurde ein nicht gepflegtes Gebiss sichtbar. Es hatte nichts Schönes mehr.

Später, an der Bushaltestelle saßen zwei Männer, dem Anschein nach Obdachlose. Ich setzte mich nur ungern neben einen der zwei. Der außen sitzende Mann sprach zu dem neben mir Sitzenden. Durch das Nuscheln seines zahnlosen Mundes konnte ich nichts verstehen. Doch der neben mir Sitzende antwortete in reinem Schriftdeutsch. Das hatte mich umgehauen.

Fazit! Nicht immer hält der Inhalt was die Verpackung verspricht.

 

 
   

 

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